08.10.2025 07:54
1251 ist nachgewiesen
Schloss Gottlieben blickt auf eine lange Geschichte zurück
Die Geschichte von Schloss Gottlieben wurde in den vergangenen Wochen genau unter die Lupe genommen. Das wurde erst mit dem Besitzerwechsel möglich und das kantonale Amt für Archäologie führte umfangreiche Untersuchungen durch.
Gottlieben Das Amt für Archäologie lud am Montag zum Schloss Gottlieben ein, um über die Resultate der bauarchälogischen Untersuchungen zu informieren. «Es handelt sich hier um eine Fundstelle von nationaler Bedeutung», sagte Projektleiterin Simone Benguerel. Mit dem Besitzerwechsel sei es 2024 und 2025 möglich geworden, die Geschichte des Schlosses am Seerhein genauer unter die Lupe nehmen zu können. «Dazu dokumentierten wir systematisch alle Räume, führten dendroarchäologische Untersuchungen von Holzkonstruktionen, eine Neuvermessung der Bauten und des Parks sowie geophysikalische Untersuchungen im Aussenbereich durch», ergänzte Projektleiterin Judith Kirchhofer.
Fenster aus dem Münster
Auf Grundlage der bauarchäologischen Untersuchungen liessen sich sieben Bauphasen unterscheiden. «Der historisch überlieferte Bau der Burg ab 1251 kann dendrochronologisch bestätigt werden», so Simone Benguerel. Die Grundsubstanz mit Wohntrakten im Norden und Osten, den beiden Türmen und die Ringmauer gehe auf diese Zeit zurück. Im Norden hätten sich in den unteren Geschossen auch die ursprünglichen Raumgliederungen erhalten. Nach dem Brand von 1348 wurden die Türme aufgestockt, Teile der damaligen Geschossanlage, Treppenaufgänge und Dachkonstruktion sind bis heute erhalten. «Spätere Umbauten konnten bislang nur vereinzelt zeitlich eingeordnet werden», erklärte die Projektleiterin.
1837 erfolgte die Umwandlung der Burg in einen Palazzo nach der Übernahme durch die Familie Bona-parte/de Beaharnais. Diese Veränderung war vor allem auf die Aussenwirkung ausgerichtet, Dach und Fassaden wurden neu gestaltet, aber auch die Binnenstruktur beider Wohntrakte erneuert. Beim Umbau wurden Fenster aus dem 1824 abgebrannten Kreuzgang des Konstanzer Münsters verwendet. Das Dach stammt hingegen aus der nachfolgenden Phase unter den neuen Besitzern.
Prominente Gefangene
Während des Konstanzer Konzils von 1414 bis 1418 waren sowohl der abgesetzte Papst Johannes XXIII wie auch der Reformator im Schloss Gottliben «zwangsuntergebracht», wie es Simone Benguerel ausdrückte. Deshalb habe der sogenannte «Hus Kerker» im Dachgeschoss des Westturms besondere aufmerksamkeit bei der Forschung gefunden. Doch der Kerker wie auch der als «Memorabilienraum» bezeichnete Raum drei Geschosse darunter dürften eher auf die Neuzeit zurückgehen. Die Parkanlage des Schlosses wurde mittels einer Geoprospektion durchleuchtet. «Der Boden wird in verschiednen Tiefen untersucht, bis 1,2 Meter sind die Ergebnisse klar ersichtlich, darunter wird es zu unscharf», so Judith Kirchhofer. «Dabei sind wir auf eine ehemalige Konstruktion gestossen, die als Salzstadel oder Kanonenlager gedient haben kann. Wir wissen es nicht genau».
Schloss Gottlieben wurde ursprünglich als Wasserburg gebaut, auf historischen Abbildungen ist das klar ersichtlich. Die neuesten Untersuchungen hätten diesen Wassergraben allerdings nicht gefunden. «Dieser konnte nur indirekt nachgewiesen werden, eine diffus erkennbare Steinansammlung deutet möglicherweise auf den Verlauf des Grabens hin», erläuterte Judith Kirchhofer. Interessant sei auch, dass bei Untersuchungen des Baugrundes eine Fundamenttiefe von nur einem Meter festgestellt wurde. Dort wo es möglich war, bei anderen Messungen «lief soviel Wasser nach, dass wir nur schätzen können».
Ein langfristiges Projekt
Unter dem Motto «Weg von Basel» habe die Familie ein Haus gesucht, möglichst einen ehemaligen, grossen Bauernhof. Im Lauf der Suche seien sie dann auf das Schloss Gottlieben gekommen, blickte Thomas Huber zurück. «Wer ein Schloss besitzt ist nicht steinreich, sondern reich an Steinen», sagte Besitzer Thomas Huber anlässlich des Rundgangs. Die Decken seien schiefer als der Boden. Es gelte, die Statik in den Griff zu bekommen. Dazu werde ein Stahlfundament eingebaut. Grundsätzlich gelte bei solch alten Häusern: «Es kommt immer anders als es die Spezialisten erklären». Das Schloss sinke ab, wenn auch nicht dramatisch, bestätigte Tochter und Architektin Leonie Huber. In der Aussenwand gebe es fast keine Risse. Ziel ist sei momentan, den Zustand zu sichern.
«Die Sanierung ist ein langfristiges Projekt», erklärte Leonie Huber. Der Turm auf der Westseite soll mit einem Lift behindertengerecht gestaltet werden, um den Zugang zum Veranstaltungsaal möglich zu machen. In der Remise planen die Besitzer den Einbau von vier Wohneinheiten. Langfristig heisse: Nach der Auflage des Gestaltungsplanes folge ein Baugesuch und anschliessend die Bauzeit. «Alles in allem wohl drei vier Jahre für diese Projekte».
Von Kurt Peter