Das Wetter meinte es nicht gut mit Spielern und Fans am 4. Oktober. Eine grosszügigere Überdachung steht daher auf der Wunschliste des FC Kreuzlingen. Erich Seeger
13.11.2025 05:00
Bei starkem Regen wirds ungemütlich
Die Tribünenüberdachung auf dem Sportplatz Klein Venedig ist ein Provisorium, das wohl noch länger halten muss
Der FC Kreuzlingen hat seit Jahren ein Problem: Die Überdachung der Tribüne ist klein und hält bei Extremwetter den Anforderungen nicht stand. Für den Vereinsvorstand ein Thema, das immer wieder diskutiert wird, aber aktuell keine grosse, sondern auf einer Wunschliste mittelfristige Priorität hat.
Kreuzlinger Am 4. Oktober spielte der FC Kreuzlingen auf dem Sportplatz Klein Venedig gegen den FC Zürich. Nur das Wetter spielte nicht mit. Wind, Regen und Kälte setzte sowohl den Fans wie auch den Spielern zu. Im Fan-Magazin «Hafetschutter» schreibt Daniel Kessler danach: «Ein Regenspiel kostet den FC Kreuzlingen derzeit gut 200 Zuschauer. Die meisten davon zahlen Eintritt oder konsumieren etwas. Geht man davon aus, dass es zumindest eines von beidem ist, verliert der FC Kreuzlingen pro Regenspiel rund 2000 Franken. Mit KI lässt sich die Regenwahrscheinlichkeit ausrechnen. So regnet es an vier Heimspielen pro Jahr, dazu kommen weitere vier Spiele, wo man es in praller Hitze ohne Sonnenschutz kaum aushält oder es am See so zieht, dass man den Abpfiff herbeisehnt. Macht acht sehr ungemütliche Spiele im Jahr. Der finanzielle Verlust beträgt rund 16'000 Franken pro Jahr durch fehlende Zuschauer. Man kann das an den Spieltagen einfach vergleichen, in dem man die Zuschauerzahlen der Vereine mit Bedachung heranzieht. Die Lebenserwartung eines Tribünendaches liegt bei 40 Jahren. Macht über die Jahre 640'000 Franken auf die der FC Kreuzlingen verzichten muss. Eine Spielerei? Vielleicht, aber ganz so weit ist das nicht von der Realität entfernt».
Kein Dorfverein
Für Daniel Kessler fällt aber noch etwas Weiteres ins Gewicht: «Eine professionelle Infrastruktur (und dazu gehört ein Dach absolut zwingend), zieht nicht nur mehr Zuschauer an, auch mehr Sponsoren. Das ist alles andere als eine Nebensächlichkeit». Fussball sei ein emotionales Geschäft. Zuschauer verbänden sich auch über einen Ort an einen Verein. Bei Sponsoren sei dieser Punkt sogar essenziell. «Sie wollen einen Verein unterstützen, der über das passende Fundament verfügt. Der FC Kreuzlingen ist kein Dorfverein, er könnte auf der Stufe Promotion League hervorragend funktionieren», schreibt Daniel Kessler.
Cvjetko Miljic, im FCK-Vorstand für die Kommunikation zuständig, betont zunächst die Attraktivität des Sportplatzes Klein Venedig: «Wir haben eine Super-Anlage direkt am See, sicher eine der schönsten der Schweiz». Ausserdem lobt er die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. «Wir sind froh um die gute Pflege der Anlage durch die städtischen Mitarbeiter», betont er. Eine Tribünenüberdachung sei immer wieder Thema im Vorstand, natürlich gerade nach einem Spiel wie vom 4. Oktober.
Fans kommen aus der Region
Über Baumassnahmen im Gebiet Klein Venedig hänge aber immer das Damoklesschwert «Altlasten». Es gebe ein Projekt einer überdachten Tribüne auf der Seite Bodensee-Arena, allerdings müsste dabei die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge berücksichtigt werden, was viel Platz wegnehme. Eine Überdachung der bestehenden Tribüne stehe auf der Wunschliste des Vorstandes, «realistisch ist diese aber erst mittelfristig, in drei bis fünf Jahren realisierbar», ist sich Cvjetko Miljic bewusst. Bis dahin bleibt das Provisorium, als das es einmal aufgestellt wurde. Daniel Geisselhardt, ehemaliger Präsident des FCK, dazu: «Das Dach wurde früher nach Bedarf durch den Eismeister der Bodensee-Arena und unseren Platzwart aufgestellt und abgebaut. Seit einigen Jahren steht es fix da, ist aber immer noch im Besitz der Bodensee-Arena».
Die 1. Mannschaft spiele mit dem tiefsten Budget in der Promotion League und werde damit auch die Rückrunde bestreiten, sagt Cvjetko Miljic. «Uns ist es wichtig, die Schulden zu tilgen, höhere Investitionen in die Infrastruktur sind nicht möglich». Eine vorliegende Offerte für eine Überdachung zeige Kosten von rund einer Million. Der FC profitiere natürlich durch die deutlich höheren Zuschauerzahlen: In der 1. Liga seien es im Schnitt 350 gewesen, aktuell 500. «Die Steigerung ist zum allergrössten Teil auf Fans aus der Region und dem Kanton zurückzuführen, Anhänger der anderen Mannschaften aus der Liga sind eher selten bei uns zu Gast».
Er könne das Bedürfnis nach einer besseren Überdachung nachvollziehen, besonders bei schlechtem Wetter, so der zuständige Stadtrat Daniel Moos. Andererseits habe der Gemeinderat einen Planungskredit für eine solche Massnahme aus dem Budget gestrichen. «Die Stadt hat aktuell viele Projekte auf dem Schirm und die haben Priorität». Ein Vorstoss für eine Überdachung der Tribüne müsse somit aus dem Gemeinderat kommen, hält er fest. Auch er erwartet eine mögliche Realisierung mittelfristig, bei der Finanzierung müsste der FC Kreuzlingen mit eingebunden werden, in welcher Form auch immer.
Von Kurt Peter