Marion Sontheim und Thomas Gropp "kämpfen" wollen Bottighofens Oberhaupt werden.
08.01.2026 09:35
«Das grenzt an Mobbing»
Kampf ums Gemeindepräsidiu
Der zurückgetretene Bottighofer Gemeindepräsident Matthias Hofmann zieht in die Region Basel. Die Spekulationen, warum er gehen musste, spitzen sich zu und werden, kurz vor den Gemeinderatswahlen am 18. Januar, lauter. Der Name Marion Sontheim taucht dabei immer wieder auf.
Bottighofen MatthiasHofmannöffnet die Tür mit einer einladenden Handbewegung. Wir setzen uns ins Wohnzimmer,HündinMia folgtihm auf Schritt und Tritt. «Sie ist so ein Schatz», sagt Hofmann und schaut sie liebevoll an. Eben hat er den selbstgebackenen Dreikönigskuchen aus dem Backofen genommen. «HeuteMorgen habe ich schon Wäsche gemacht.»AusserBügelnerledige er seit seinem frühzeitigen Rücktritt als Bottighofer Gemeindepräsident alles im Haushalt selbst. Hofmann wirkt entspannt. 14 Kilo hat er seit dem verhängnisvollen Tag im Gemeindehaus verloren. Ertreibt wieder mehr Sport, hat sein Haus verkauft und ein neues im Raum Basel gekauft. MitteAugust wird er umziehen. Lebensverändernde Schritte, die sonst über Jahre geplant werden, vollzogen sich bei den Hofmanns innert weniger Wochen. Seit seinem Rücktritt hält sich Hofmann bedeckt. Er gibt keine Auskunft darüber, was «wirklich» geschah, als eine Sitzung des Gemeinderats sein Leben auf den Kopf stellte. Ob er nicht dasBedürfnis habe, seine Sicht der Dinge zu schildern. Er schüttelt langsam den Kopf. «Ich habe abgeschlossen.» Einem der beteiligten Gemeinderäte übel nachzureden, komme fürihn aus Prinzip nicht infrage. Abgesehen von dieser einen Zusammenkunft habe es im Gemeinderat keine Differenzen gegeben, die nicht hätten behoben werden können. «Danke sagt einem am Schluss keiner», sagt Hofmann. Umso mehr habe er sich über viele persönliche Zeilen von Bürgerinnen und Bürgern gefreut. Die letzten Monate verbrachte er grösstenteils im Tessin. Seine Arbeitslast habe sich überJahre in eine ungesunde Richtung entwickelt. «Das wurde mir erst jetzt klar.»EinordentlichesEndenachder Legislatur wäre schön gewesen. Docherlebe imJetzt. «Mirwurde bewusst, dass man nie weiss, was morgen ist. Daher geniesse ich mein Leben.»
Marion Sontheim sprang als Ritterin in goldener Rüstung ein.Sieübernahm Hofmanns Amt als Vizepräsidentin ad interim und ist weiterhin als Gemeinderätin aktiv. Die 44- Jährige hat seit ihrer Einbürgerung zahlreicheÄmterinne, kenntdasTagesgeschäft der Gemeinde und wirkte an Grossprojekten mit. Die Doppelbelastung sei auf Dauer nicht tragbar, sagt sie. Mit ein Grund, weshalb die Ersatzwahl kurzfristig auf den 18. Januar 2026 angesetzt wurde.FürvieleimDorfistdaskeinüberzeugendes Argument. Die Stimmbürgerinnen und StimmbürgerhättenwegenihrerlangenArbeitstage nur wenig Zeit gehabt, sich mit der Wahl auseinanderzusetzen. Potenzielle Kandidierende hätten kaum Gelegenheit für einen ordentlichen Wahlkampf gehabt, heisst es aus verärgerten Kreisen. Ob sie verstehe, dass manche eine Strategie dahinter vermuteten. «Ja, dieses Empfindenkannichbis zueinemgewissen Grad nachvollziehen, insbesondere angesichtsder aktuellenpolitischen Stimmung», sagt Sontheim. Gleichzeitig habe sie die Erfahrung gemacht, dass dort, wo sie die Beweggründe habe erläutern können, viel Verständnis für den Entscheid vorhanden gewesen sei.
Von Harmonie keine Spur
Einer hat die Gelegenheit dennoch ergriffen. Thomas Gropp. Von Tag zu Tag sei er überzeugter, dass seineKandidaturnotwendigsei.Erwolle sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sagt Gropp, doch es sei wichtig hinzuschauen, was in der Gemeinde geschehen sei. Besonders kritisch sieht er den Umgang des Gemeinderats mit Matthias Hofmann. Dieser sei vielleicht kein ganz einfacher Mensch gewesen, aber er sei gewählt worden und dies aus guten Gründen. «In einer kleinen Gemeinde muss man zuerst versuchen, sich gütlich zu einigen», sagt Gropp. Der Gemeinderat sei ein Kollegialorgan, das unter allen Umständen zusammenarbeiten müsse. Harmonie sei zentral. Davon sei derzeit wenig zu spüren. An einer Veranstaltung sei ihm zugetragen worden, dass der Gemeinderat geschlossen zurücktrete, sollte er gewählt werden. Das sei zutiefst undemokratisch und grenze an Mobbing. «So kann es nichtweitergehen.»DasGefühl,dass gewisse Abläufe geplant gewesen seien, lasse ihn nicht los. In der Bevölkerung höre er noch deutlich härtereKritik an Marion Sontheim. «Die Leute zerfleischen sich fast.» Sein Ziel sei es, wieder Ruhe in die Gemeinde zu bringen.
Kein Zusammenhang
Für zusätzliche Diskussionen sorgt eine Motion, die eine erleichterte Amtsenthebung einzelner Exekutivmitglieder auf kommunaler Ebene forderte und vom Regierungsrat abgeschmettert wurde. Mitunterzeichnet und vorangetrieben von Marion Sontheim. Ein Instrument, um Hofmann einfacher «loszuwerden»? «Dass die Motion im aktuellen Zusammenhang Aufmerksamkeit erregt, ist nachvollziehbar», sagt Sontheim. «Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der Motion und dem Rücktritt von Matthias Hofmannistjedochnicht schlüssig.»Die Motion habe ein generelles institutionelles Anliegen verfolgt. Es sei um die Schaffung einer rechtlichen Grundlage zur Abberufung von Exekutivmitgliedern bei schwerwiegenden Gründen gegangen, nicht um die Beeinflussung einzelner lokaler Vorgänge. Nicht wenige sehen das anders und werfen Sontheim strategisches Handeln vor. Bürgerliche verschwinden Mit dem Rücktritt von Matthias Hofmann verliess der letzte Bürgerliche die Exekutive. Gemeinderat und Verwaltung sind nun vollständig bei Pro Bottighofen angesiedelt. Eine SP-Frau an die Spitze der Gemeinde zu stellen, scheint für manche der logische nächste Schritt. «Die Bürgerliche Vereinigung Bottighofen war in den letzten Jahren einfach zu bequem», sagt ein Bürger. «Pro Bottighofen war aktiv, hat sich eingebracht. Das ist das Resultat.» Umso mehr erstaunt es, dass die Bürgerlichen Marion Sontheim zur Wahl empfehlen. Ist es Mangels Alternativen? «Wir haben bei der Beurteilung nicht auf Parteizugehörigkeit geschaut», sagt Werner Brack, Präsident der Bürgerlichen Vereinigung. FürKritikerist das einArmutszeugnis. Die Spekulationen gehen noch weiter. So wird gemunkelt,Marion Sontheim kandidiere nur deshalb, weil sie in ein oder zwei Amtszeiten SP-Regierungsrätin Ruth Faller Graf beerben wolle. Ein Gemeindepräsidium als Referenz für höhere Weihen.
Von Desirée Müller