15.07.2026 15:49
Der Bodensee wird zur Karibik
Das See-Burgtheater überzeugt in der neuen Produktion mit kurzweiliger Inszenierung
Ein Piratenspektakel mit viel Musik, Knalleffekten, Akrobatik, Kampf und Poesie. «Die Legende von Anne Bonny» bietet alles, was sich Theaterinterressierte wünschen und machen das Stück des See-Burgtheaters zu einem vergnüglichen Abend am Seeufer.
Kreuzlingen Es ist gar nicht so einfach für die Erzählerin (Sabina Deutsch) mit der Legende von Anne Bonny zu beginnen. Fünf Mädchen (Lena Pallmann, Norina Makia, Nellie Quinten, Lotta Forster und Klara Engeli) habe sich am Strand breit gemacht und quasseln lautstark über ihre Teenie-Probleme. Die über Handys zu Hilfe gerufene KI kann dabei aber nicht wirklich helfen und der Erzählerin platzt der Kragen. Ein Handy wird kraftvoll zertreten, die anderen werden eingesammelt. Und nun endlich kann sie beginnen, die Geschichte von Anne Bonny.
Immer artig sein ist nicht
Die kleine Anne lässt schon früh ihre Eigensinnigkeit aufblitzen, die Aufforderung ihrer Erzieherin «immer artig sein und gehorchen» passt ihr gar nicht. Da ihr Vater eine aussereheliche Affäre pflegt, muss Irland verlassen und in den nordamerikanischen Kolonien eine neue Heimat gefunden werden. Anne (Moira Albartelli) findet hier ihre Liebe zu James Bonny (Georg Melich) und zu Schiffen. Als sie bemerken muss, dass James Bonny nur hinter ihrem Geld her war, ist Schluss mit lustig. Die Piraterie hat es ihr angetan. Als Mann verkleidet heuert sie auf einem Schiff an.
So geht es in die Karibik, von Spelunken zu Häfen und Schenken, das königliche Angebot der Straffreiheit bei Aufgabe der Piraterie und Übergabe der Beute wird abgelehnt, eine turbulente Flucht endet in einer grossen Party mit Feuerwerk, Musik, Tanz und viel Rum. Mit dabei der Pavian Rose (Puppenspiel Rahel Wohlgensinger) der zu allem und jedem seine Meinung äussert. Captain Charles Vane (Giuseppe Spina) lässt es in der Folge äusserst lasch angehen, hat keinen grossen Bock auf weitere Kaperfahrten. Das kostet ihn am Ende das Kommando über das Schiff und das Leben. Im Krähennest, dem Ausguck, geben Anne Bonny und Mary Read (Julia Barth) schliesslich ihr grosses Geheimnis preis.
Nach der Verhaftung durch britische Truppen droht beiden Frauen die Todesstrafe. Doch «wir berufen uns auf unsere Bäuche» und der Quartiermeister (Tommy Müller) gesteht die Vaterschaft. «Bei beiden». Und so stirbt zwar Mary Read in Gefangenschaft, doch Anne Bonny wird frei. «Vielleicht ist sie wieder los gesegelt, vielleicht wurde sie 80 Jahre alt, vielleicht hat sie eine Schenke eröffnet, wir wissen es nicht», beendet die Erzählerin die Legende. «Entschuldigung, können wir unsere Handys wieder haben», bitten die fünf Mädchen am Schluss des Stücks, dessen Inszenierung von Simon Engeli seine Zeit bei «Karls kühne Gassenschau» deutlich werden lässt. Ein rasanter, kurzweiliger Theaterabend mit viel irischer Musik (Eva Wey, Daniel Thürler, Carlo Ribaux und Giuseppe Spina), geeignet für alle von 10 bis 99.
Von Kurt Peter