20.11.2025 07:00
«Keine Strafe, ein Angebot»
Für alle Schulzentren gibt es eine zuständige Person der Schulsozialarbeit - Timeoutschule wurde durch«Coaching Plus» ersetzt
Die Schulsozialarbeit in Kreuzlingen hat sich neu organisiert und mit «Coaching Plus» auch ein neues Angebot geschaffen. Die Ansprechpersonen sind nun in den Schulzentren präsent. Ziel ist es, Konflikt-potenzial früh zu erkennen.
Kreuzlingen Anlässlich einer Medienkonferenz stellte Schulpräsidentin Seraina Perini die Neuorganisation der Schulsozialarbeit vor. «Mit und nach Covid mussten wir uns Gedanken machen, wie die Schulberatung zeitgemäss gestaltet werden kann und mehr Jugendliche davon profitieren können», sagte sie einleitend. Der Name sei in «Schulsozialarbeit» geändert worden, an der Schmittenstrasse 4 sei das Kompetenzzentrum eingerichtet und die Präsenz an den Schulzentren erhöht worden.
Team verdoppelt
Ulrike Wolf ist die Leiterin der Schulsozialarbeit, die es in Kreuzlingen seit 25 Jahren gibt. Bisher sei die Beratung im Schulpräsidium untergebracht gewesen, neu wurde das Zentrum an der Schmittenstrasse 4 geschaffen, dem früheren Standort der Timeout-Schule. «Das Team wurde verdoppelt und die Präsenz an den Schulzentren markant erhöht». Das mache die Arbeit persönlicher und den Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern, aber auch zu den Kindern und Jugendlichen enger.
Die Schullandschaft habe sich verändert, heute sei mehr Teamarbeit gefragt. Stephan Hugentobler, Berater im Schulzentrum Bernegg, spricht von vielfältigen Themen. Streit, Mobbing, Social Media, Krisen zu Hause: «Wenn Lehrpersonen etwas auffällt, dann sind wir die Kontaktpersonen für die Betreuung der Betroffenen». Besonders auffällig sei die Zunahme des so genannten Absentismus. Absenzen ohne Angabe von Gründen sei seit Covid deutlich gestiegen. «Da schauen wir dann schon auch einmal zu Hause vorbei», so Stephan Hugentobler.
Kompetente Beratung
Der Vorteil der Präsenz vor Ort sei auch, dass Jugendliche den Weg zur Beratung von sich aus suchten, erklärt Andrina König, die im Schulzentrum Schreiber und Wehrli berät. Das sei auch in der Sekundarschule so, bestätigt Julia Schmid-Boden-mann von den Zentren Egelsee und Pestalozzi. «Die Jugendlichen kommen mit Themen zu uns, die ihnen unter den Nägeln brennen». Die Schulsozialarbeit entlaste die Lehrpersonen deutlich, waren sich alle einig. «Wir suchen auch den präventiven Ansatz», so Simon Hänel vom Schulzentrum Remisberg.
Mit der Schulsozialarbeit reagiere die Schule und biete den Kindern und Jugendlichen, aber auch den Eltern, eine kompetente Beratung an. Dabei sei die Schulsozialarbeit aber auch auf die Kooperation der Eltern angewiesen. «Es ist keine Bestrafung, sondern ein Angebot», machte Ulrike Wolf deutlich. Das Ziel sei es, mögliche Konflikte früh zu erkennen und eine entsprechende Betreuung und Begleitung anzubieten. «Das ist aber immer ein miteinander aller Beteiligten», so die Leiterin der Schulsozialarbeit.
Betreuung und Begleitung
Das neue «Coaching Plus» ersetzt die Timeout-Schule, die im Juli 2024 geschlossen wurde. «Wegen fehlender Nachfolge», erklärte Seraina Perini. Stefano Martinelli leitet dieses Angebot. Derzeit betreue er zwei Jugendliche, maximal könnten drei bis vier Jugendliche das Angebot nutzen. Dieses richtet sich an Schülerinnen und Schüler in Krisen, für welche ein regulärer und funktionierender Unterricht trotz vorhandener und vielfältiger Unterstützungsmassnahmen nicht mehr möglich ist. Während die Betroffenen früher aus den Klassen geholt und in separaten Räumlichkeiten betreut wurden, ist Stefano Martinelli in den Schulzentren vor Ort.
«Viele Jugendliche sind mit ihren Problemen oft alleine, da braucht es punktuelle Betreuung und Begleitung», sagt er. Seine Präsenz in den Schulzentren werde geschätzt, er habe nur positive Rückmeldungen. «Die Nähe zu den Lehrpersonen und den Jugendlichen ist von grossem Vorteil, man kennt sich und das ermöglicht eine individuellere, flexiblere und gezieltere Betreuung». Es gebe klare Linien beim «Coaching Plus», es werde eine Vereinbarung aufgesetzt, die eingehalten werden müsse. «Es gibt nicht mehr Fälle, trotz deutlich gestiegener Schülerzahlen, aber sie sind komplexer geworden», so Ulrike Wolf.
Von Kurt Peter