Präsentierten Einschätzungen zur Wirtschaftslage im Thurgau und darüber hinaus (vl): Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau, Reto Inauen, Verbandspräsident der Thurgauer Raiffeisenbanken und Matthias Geissbühler, Anlagechef von Raiffeisen Schweiz. zVg
10.02.2026 00:00
Thurgauer Raiffeisenbank: Die Zinspolitik hat Auswirkungen
Die 14 Thurgauer Raiffeisenbanken spüren das Tiefzinsumfeld: Der Geschäftserfolg fiel 2025 tiefer aus als in den Vorjahren. Erfreulich entwickelten sich die zinsunabhängigen Geschäfte – insbesondere der Anlagebereich. An der Bilanzmedienkonferenz vom Dienstag beurteilten der Thurgauer IHK-Direktor Jérôme Müggler und Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler die wirtschaftliche Lage.
Weinfelden Die Nationalbank senkte den Leitzins im Verlauf des letzten Jahres bis auf null Prozent. Das wirkte sich auf das Zinsengeschäft der Raiffeisenbanken aus: Der Erfolg in diesem Bereich betrug 2025 gut 144 Millionen Franken und damit 14,2 Millionen Franken weniger als 2024. «In diesem herausfordernden Umfeld zeigt unsere Diversifizierungsstrategie Wirkung», sagte Verbandspräsident Reto Inauen. Er präsentierte in den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgaudas konsolidierte Geschäftsergebnis der Thurgauer Raiffeisenbanken. Dabei hob er das Wachstum des Depotvolumens hervor, das den Gesamtwert aller Wertpapiere von Kundinnen und Kunden abbildet: Entsprechend stark habe der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zugenommen (plus 13,2 Prozent).
18 Milliarden-Marke geknackt
Der Anteil der zinsunabhängigen Erträge am Gesamtertrag betrage neu fast 30 Prozent, betonte Reto Inauen. Der nach wie vor beachtliche Geschäftserfolg von 70 Millionen Franken fliesse grösstenteils ins Eigenkapital. Mit 27.4 Prozent verfügten die Thurgauer Raiffeisenbanken über eine starke Kapitalquote und seien damit sehr gut abgesichert. Um den Erfolg langfristig auf eine breitere Basis zu stellen, sei im letzten Jahr wiederholt stark in die Beratungskompetenz und in die Kundennähe investiert worden. So stellten die Thurgauer Raiffeisenbanken im letzten Jahr 43 neue Mitarbeitende ein. Die Bilanzsumme der 14 Thurgauer Raiffeisenbanken kletterte erstmals auf über 18 Milliarden Franken. Sowohl die Hypothekarforderungen als auch die Kundeneinlagen legten markant zu. Dass Raiffeisen bei der Thurgauer Bevölkerung grosses Vertrauen geniesst, unterstreicht der erneut beachtliche Zuwachs an Genossenschafterinnen und Genossenschaftern: Die Thurgauer Raiffeisenbanken zählen nunmehr fast 119'000 Mitglieder.
Als wichtiger Partner der Thurgauer Unternehmen stehen die Raiffeisenbanken im engen Austausch mit der IHK Thurgau. Deren Direktor Jérôme Müggler zeigte auf, wie die Thurgauer Wirtschaft angesichts der geopolitischen Unsicherheiten dasteht: «Generell ist die Thurgauer Wirtschaft verhalten ins Jahr gestartet. Gleichzeitig haben sich die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate leicht verbessert.» Unter Druck stehe insbesondere die exportorientierte Industrie. Müggler führt dies auf das schwache Wirtschaftswachstum in den Nachbarländern, auf die Frankenstärke und protektionistische Tendenzen in Europa und den USA zurück. Parallel habe sich der Mangel an Arbeitskräften vielerorts etwas entspannt. «Die leicht gestiegene Arbeitslosenquote im Thurgau lag zu Beginn des Jahres bei 2.6 Prozent, was immer noch als niedriger Wert gilt.»
Börsen vor Bewährungsjahr
Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, blickte seinerseits auf die Entwicklungen an der Börse: 2025 sei ein weiteres sehr gutes Börsenjahr gewesen. Die meisten Anlageklassen hätten zulegen können. 2026 werde ein Jahr der Bewährung. «Die Bewertungen sind hoch und nehmen ein deutliches Gewinnwachstum der Unternehmen vorweg. Gleichzeitig sind die konjunkturellen Aussichten durchzogen und die geopolitische Gemengelage bleibt angespannt.» Gemäss Prognosen von Raiffeisen Schweiz werde die globale Wirtschaft erneut unter Potenzial wachsen. Insbesondere die Dynamik in der Industrie bleibe schwach. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds müssten Sparerinnen und Sparer weiterhin an den Finanzmärkten investieren, wenn sie ihr Vermögen langfristig steigern möchten. Sachwerte wie Aktien, Gold und Immobilien ständen dabei im Fokus. «Wichtig bleibt eine breite Diversifikation der Anlagen», betonte Geissbühler abschliessend.⋌ red