Judith Ricklin, Thomas Niederberger, Markus Brüllmann, Daniel Moos, Georg Schulthess, Elina Müller, Moderator Patrick Eich und Susan Danubio (vl.) stellten und stellten sich den Fragen. ⋌Kurt Peter
02.09.2026 04:00
Von Realpolitik und Visionen
Kreuzlinger Interpartei organisierte das Wahlpodium mit allen Kandidierenden
Sieben Kandidierende wollen in den Stadtrat, beziehungsweise ins Stadtpräsidium gewählt werden. Am Podium im Dreispitz kreuzten sie die Klingen. Fazit: Verkehr, Zentrumsgestaltung und Klima stehen weit oben auf der Prioritätenliste.
Kreuzlingen Moderator Patrick Eich gab zunächst den drei Bisherigen das Wort und fragte nach ihrer Motivation zur Wiederwahl. «Der Stadtrat arbeitet gut zusammen, die Abstimmungserfolge zeigen das», begann Stadtpräsident Thomas Niederberger (FDP). Der Investitionsstau werde abgebaut und sein Ziel sei es, die bewilligten Projekte zu einem guten Abschluss zu bringen. Seine Arbeit im Departement Soziales mache vielfältige Freude, sagte Stadtrat Markus Brüllmann (SP). Er vertrete sein Departement gerne. Vielfältig seien auch die Themen, die im Stadtrat diskutiert würden. Von Vielfalt sprach auch Stadtrat Daniel Moos (Freie Liste) auf sein Departement Gesellschaft angesprochen. «Die Vielfalt hat mich zu Amtsbeginn fast erschlagen», meinte er weiter. Liegenschaften, Kultur, Sport und Integration seien die Bereiche. «Der Stadtrat vermittelt die Inhalte der Bevölkerung», so Daniel Moos.
Politik gestaltet
Susan Danubio (FDP) begann den Reigen bei den neu Kandidierenden. Sie reize die Herausforderungen als Stadträtin. Finanzen und Führung seien ihre Kompetenzen, «aber ich bringe kein politisches Vorwissen mit». Allerdings könne man Reglemente lesen und lernen. Es reize sie, sich weiter zu entwickeln. Sie interessiere sich schon lange für Politik, sagte Elina Müller (SP). Es sei spannend, was bewirkt werden könne. Auf die Frage nach ihrem Wunschdepartement antwortete Judith Ricklin (SVP): «Die Departemente werden nach den Wahlen verteilt, ein gewählter Bisheriger hat das Recht, sich zuerst dazu zu äussern». Sie werde auch im Stadtrat für Querdenken und Nachfragen stehen. Georg Schulthess (parteilos) hat es nach eigenen Angaben schwer, mit seiner Meinung im Gemeinderat etwas zu bewirken. «Im Stadtrat und noch mehr im Stadtpräsidium hätte ich grössere Möglichkeiten, liberale Politik zu vertreten».
Auf die Frage von Patrick Eich, ob in der nächsten Legislatur unbequeme Entscheidungen gefällt werden müsste, verwies Markus Brüllmann auf die die beschränkten Rahmenbedingungen im Departement. «Aufgrund gesetzlicher Bedingungen ist der Spielraum bei uns eng». Für Thomas Niederberger war es wichtig, dass «es immer wieder unbequeme Entscheidung gibt, die einen Teil der Bevölkerung treffen. Aber der Stadtrat trägt diese Verantwortung gemeinsam». In den kommenden vier Jahren würden sicher die Finanzen zu diskutieren geben. Wenn ab 2029 die die Liegenschaftensteuern wegfielen, müsse wohl der Steuerfuss um drei Prozent erhöht werden. Leistungs- und Förderungskürzungen in den Bereichen Sport und Kultur seien immer unbequem, erklärte Daniel Moos. Sollten weitere solche Massnahmen anstehen «werden es die Leute sicher spüren».
Bewilligte Projekte umsetzen
Angesprochen auf ihre Fähigkeiten sprach Judith Ricklin von politischer Vernetzung, Führungskompetenzen und der Verwurzelung in der Stadt. Elina Müller sah mit dem Ausscheiden von Ernst Zülle und Thomas Beringer Kompetenzverluste in den Bereichen Bau und Energie. «Da kann ich aufgrund meiner Ausbildung und meinem Beruf als Architektin meine Fähigkeiten einsetzen». Susan Danubio konnte ebenfalls auf ihren beruflichen Hintergrund setzen.
Als stellvertretende Geschäftsführerin des Alterszentrums und Präsidentin der Spitex würde sie vielfältige Kompetenzen in den Stadtrat bringen. Georg Schulthess lagen Verkehr und Sicherheit besonders am Herzen. Er trete für ein Gesamtverkehrskonzept ein und im Bereich Sicherheit gelte es, durchzugreifen.
Für Susan Danubio, Judith Ricklin und Elina Müller war am Podium klar: «Die bewilligten Projekte müssen umgesetzt werden». Auf die Frage, was sie mit dem Budget von einer Million Franken für touristische Projekte anfangen würden, brachte Elina Müller das Seemuseum ins Spiel. «Dauerausstellung sichern und Vermittlungssteg umsetzen», sagte sie. Judith Ricklin sah grosses Potenzial in der Umgestaltung des Hafenareals, natürlich auch grenzüberschreitend. Sie könne sich ein grosses unterirdisches Parkhaus im Zentrum vorstellen, dann könne auch der Boulevard autofrei gestaltet werden. Susan Danubio wollte mehr Sitzmöglichkeiten und Plätze für Jung und Alt in der Stadt schaffen. Auch neue, innovative Ideen seien gefragt. Zentrumsbelebung stand auch bei Georg Schulthess im Mittelpunkt. Die Stadt müsse Rahmenbedingungen schaffen, um im Wettbewerb mit Konstanz bestehend zu können. Und ganz visionär: «Ich würde einen Glastunnel durch den See nach Konstanz bauen». Zentrumsbegrünung, Zentrumsbelebung und Verkehrsberuhigung waren für Elina Müller grosse Themen.
Gasnetz-Diskussion
Aktuell ging Patrick Eich auf die Initiative ««Stopp den Rückbau des Gasnetzes der Stadt Kreuzlingen» ein. Thomas Niederberger ging in seiner Antwort auf die Volksabstimmungen im Energie und Klimabereich ein. «Die Bevölkerung will die Energiewende, der Gasverbrauch in Kreuzlingen ist rückläufig und die in der Initiative geforderte Leitung nach Bottighofen würde hohe, unsinnige Investitionen zur Folge haben». Es gehe ihm in der Initiative auch darum, technologieoffen zu bleiben, die Infrastruktur zu erhalten, entgegnete Georg Schulthess. Worauf Daniel Moos entgegnete, dass die Erdgasleitungen nicht dazu geeignet seien, Wasserstoff, wie von der Initiative genannt, zu transportieren.
«Was tun für das Zusammenleben», fragte Patrick Eich die neu Kandidierenden. Georg Schulthess wollte einen 10-Meter-Sprungturm in Hörnli für die Jugendlichen und die Möglichkeit, weiterhin mit Bargeld bezahlen zu können, «wichtig vor allem für die ältere Bevölkerung». Der Jugend gegenüber sollte man mehr Kulanz und Toleranz zeigen, forderte Susan Danubio. Sie sah zudem das Bedürfnis nach Betreuungsleistungen für ältere Menschen, es gelte Kontakte zu fördern und Vereinsamung zu verhindern. Judith Ricklin sprach ein Jugendparlament an, das könne auch ein Ausschuss sein, es gelte, den Draht zu den Jugendlich zu finden. Und Elina Müller wollte abschliessend mehr Räume für Jugendliche schaffen, Treffpunkte, um eigene Ideen umzusetzen. Bei einer Frage aus dem Publikum zum Klimawandel waren sich Elina Müller und Judith Ricklin einig. «Die Hitze ist offensichtlich ein Problem, offene, begrünte Flächen müssen in die Stadt gebracht werden».
Von Kurt Peter