Flavio Bucca erreichte bei der Schwimm-EM in Paris das Final über 200m Rücken. Archivbild: zVg
27.08.2026 08:32
Flavio Bucca sorgt an der EM für ein Ausrufezeichen
Der Kreuzlinger Schwimmer Flavio Bucca hat an den Europameisterschaften in Paris für eine grosse Überraschung gesorgt. Über 200 Meter Rücken qualifizierte er sich erstmals für einen EM-Final und belegte dort den achten Rang. Gleich mehrfach verbesserte er dabei seine persönliche Bestzeit.
Schwimmen Flavio Bucca reiste mit grossen Ambitionen zu den Europameisterschaften nach Paris. Dass er in seiner Paradedisziplin über 200 Meter Rücken allerdings gleich den Sprung in den Final schaffen würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Bereits im Vorlauf liess der Schweizer aufhorchen: Mit 1:56,63 Minuten schwamm Flavio Bucca eine neue persönliche Bestzeit und unterbot seine bisherige Marke von 1:57,33 um sieben Zehntelsekunden. Damit belegte er den neunten Rang und qualifizierte sich souverän für das Halbfinale.
Dort legte der Schwimmer nochmals deutlich zu. In einem herausragenden Rennen schlug Bucca nach 1:55,73 Minuten an und pulverisierte seine erst wenige Stunden alte Bestmarke erneut. Insgesamt verbesserte er seine persönliche Bestzeit innerhalb der Europameisterschaften um 1,60 Sekunden. In seinem Halbfinal-Lauf belegte er den vierten Rang, über beide Läufe hinweg bedeutete dies Rang sechs – und damit die Qualifikation für den EM-Final.
Im Halbfinale bekam Bucca zudem die enorme Qualität des Rennens zu spüren. Mit ihm im Lauf schwamm der Ungar Hubert Kos einen neuen Europarekord und gleichzeitig die zweitschnellste je erzielte Zeit über diese Distanz. Bucca liess sich davon jedoch nicht beeindrucken und setzte sich gegen zahlreiche international erfahrene Konkurrenten durch. Der Einzug in den Final war für den Schweizer zugleich der erste grosse EM-Final seiner Karriere.
Dort wartete die absolute Weltelite. Bucca schwamm erneut ein starkes Rennen und erreichte nach 1:56,20 Minuten als Achter das Ziel. Zwar blieb eine weitere persönliche Bestzeit aus, dennoch unterbot er seine ursprüngliche Bestmarke von 1:57,33 nochmals um 1,13 Sekunden. Der Finalauftritt bestätigte damit eindrücklich, dass sich der 200-Meter-Rückenspezialist während der vergangenen Monate auf ein deutlich höheres Leistungsniveau entwickelt hat.
Für die Schweizer Delegation war der Final zudem historisch. Da neben Bucca auch der Schweizer Olympiamedaillengewinner Roman Mityukov im Endlauf stand, waren erstmals seit 1989 wieder zwei Schweizer Schwimmer gleichzeitig in einem EM-Final vertreten.
Auch über 100 Meter Rücken konnte Bucca seine Fortschritte bestätigen. Im Vorlauf schwamm er in 54,61 Sekunden ebenfalls persönliche Bestzeit. Seine bisherige Marke von 54,77 Sekunden verbesserte er um 16 Hundertstelsekunden. Unter 66 Teilnehmern belegte er damit den 30. Rang. Für den Halbfinaleinzug reichte die Zeit zwar nicht, dennoch unterstrich Flavio Bucca, dass seine Entwicklung nicht nur über 200 Meter, sondern auch auf der kürzeren Distanz voranschreitet.
Mit seinen Leistungen in Paris hat Bucca ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Besonders bemerkenswert ist der Blick auf die Entwicklung über 200 Meter Rücken: Von 1:57,33 verbesserte er sich auf 1:55,73 Minuten. Swiss Aquatics bewertete seine Entwicklung in Paris entsprechend positiv. Seine Halbfinalzeit lag bereits unter der aktuellen Olympialimite für Los Angeles 2028. Für eine mögliche Olympiaqualifikation muss Bucca diese Leistung allerdings erneut bestätigen, da der offizielle Qualifikationszeitraum erst im April 2027 beginnt und bis Juni 2028 dauert.
Der achte Platz im EM-Final dürfte dem jungen Rückenschwimmer dennoch viel Selbstvertrauen geben. Aus dem Überraschungsteilnehmer im Halbfinale wurde in Paris ein Finalist – und damit ein Schwimmer, den die internationale Konkurrenz künftig auf der Rechnung haben dürfte.
Von Nico Wrzeszcz