Die TV-Sendung Architektour führt nach Weinfelden.
02.10.2025 08:00
«Architektour» in Weinfelden
Am 24. Oktober, um 20 Uhr, wird die Sendung aus Weinfelden auf SAT1 ausgestrahlt. Und ab sofort auf joyn.ch
In der neuen TV-Serie Architektour auf Joyn.ch und SAT1 zeigt die Zürcher Architektin Manon Bigler, wie vielfältig Wohnen sein kann. Sie besucht aussergewöhnliche Häuser – darunter ein Weinfelder Projekt, das eindrücklich vorführt, wie sich ein Familiengarten und altersgerechtes Wohnen unter einem Dach verbinden lassen.
Weinfelden Manon Bigler liebt Architektur, aber noch mehr liebt sie das Erzählen darüber. In der neuen TV-Serie Architektour auf Joyn.ch führt die Zürcher Architektin durch aussergewöhnliche Häuser und Wohnungen. Acht Objekte hat sie dafür besucht – vom Zweitwohnsitz im Bündnerland bis zum Mario-Botta-Turm aus den 1970er-Jahren. Die Palette reicht von modernen Bauten der 2010er- und 2020er-Jahre bis zu Klassikern der Nachkriegsmoderne. Wohnen im Alter Eines der eindrücklichsten Beispiele ist in Weinfelden. Hier steht ein Einfamilienhaus aus den 1970er-Jahren auf einem grossen Gartengrundstück. Seine Eigentümer, ein Ehepaar um die 80, fragten sich, wie sie an diesem schönen Ort alt werden können. Das bestehende Haus ist gross, die Kinder sind längst erwachsen und ausgezogen. Ein klassischer Fall: Das Heim der jüngeren Jahre ist im Alter zu gross und zu wenig barrierefrei. Die Lösung heisst «Stöckli neu interpretiert». Auf der Parzelle entstand ein kleiner Neubau als Ergänzung zum alten Haus. Die jüngere Generation zog ins bestehende Gebäude, die Eltern in den pavillon-artigen Neubau. Herzstück bleibt der Garten, den die Familie seit Jahrzehnten pflegt und der nicht verdrängt werden sollte. Die Erweiterung musste sich also in den Garten integrieren, ohne ihn zu verschlingen. Von Anfang an war klar: Die neue Wohnung muss altersgerecht sein. Barrierefreiheit war die Grundvoraussetzung. Schwellenlose Zugänge, rollstuhltaugliche Nasszellen, kurze Wege. Selbst an unterschiedliche Schlafgewohnheiten wurde gedacht: Zwei kleinere Schlafzimmer statt eines grossen geben den Bewohnern Rückzugsmöglichkeiten.
Eine WG mit dem Grosi
Bigler war beeindruckt von der reflektierten Haltung der Bauherrschaft. «Sie wussten sehr genau, was sie an ihrem Grundstück haben», erzählt sie. «Und sie interessieren sich für Architektur, das spürt man sofort.» Für Bigler ist das Projekt beispielhaft, weil es zeigt, wie Menschen im Alter selbstbestimmt wohnen können, ohne ins Altersheim zu ziehen. «Viele fürchten den Umzug ins Heim, dabei gibt es andere Lösungen», sagt sie. «Wir sollten verhindern, dass Alt und Jung automatisch voneinander getrennt leben.» Ihre eigene Biografie hat Biglers Blick geschärft. Während des Studiums lebte sie beim Grossmami in einer Art WG, im Kinderzimmer ihrer Mutter. Ihre Diplomarbeit widmete sie dem Thema «Wohnen im Alter». Dass der Wohnflächenverbrauch pro Kopf in der Schweiz stetig wächst, beschäftigt sie bis heute. «Die Städte sind im Grunde gebaut», zitiert sie einen bekannten Satz einer ehemaligen Zürcher Stadträtin. «Es geht darum, nach Innen zu verdichten – mit gebührendem Respekt dem gebauten Kontext gegenüber – und den Bestand so zu ertüchtigen, dass er über Generationen bewohnbar bleibt.» Jeder schaut gern in Häuser rein Nicht alle Häuser der Serie hat Bigler selbst ausgewählt, doch das Weinfelder Projekt schlug sie vor – und trifft damit einen Nerv: verdichtetes Bauen, Grünräume teilen, Alt und Jung zusammenbringen. Auch die anderen Folgen von Architektour zeigen, wie vielfältig Wohnen sein kann. Da ist etwa der beinahe turmhohe Mario-Botta-Bau aus dem Jahr 1973 mit seiner engen Wendeltreppe, in dem heute noch eine über 80-jährige Frau lebt. «Als junge Auftraggeber denkt man selten ans Alter», sagt Bigler. Der Reiz der Sendung liegt nicht nur in den Ideen, sondern auch in der Neugier, mit der Bigler durch fremde Räume geht. Sie bereitet sich mit Fachliteratur vor, sieht die Häuser in Realität dann aber zum ersten Mal vor laufender Kamera. «Es ist immer ein Stück weit voyeuristisch», sagt sie und lacht, «aber genau das macht den Zauber aus.»
Von Desirée Müller