Elli Schumann wuchs in Weinfelden auf und arbeitet in Bürglen als Sekundarschullehrerin. Sie hat zwei erwachsene Söhne und gab am Donnerstag, 4. Dezember, ihre Kandidatur bekannt.
09.12.2025 08:19
Elli Schumacher will in den Weinfelder Stadtrat
Eine überraschend präsentierte Stadtratskandidatin löst in Weinfelden politische Turbulenzen aus
Elisabeth Schumacher tritt auf die politische Bühne, unterstützt von drei linken Frauen – und sucht gleichzeitig Halt bei der SVP. Doch diese hat kein Musikgehör. Die spontane Kandidatur sorgt in Weinfelden für Überraschung, Fragezeichen und klare Reaktionen.
Weinfelden Da ist sie also, die bekannte Unbekannte, wie sich Elisabeth Schumacher selbst nennt. «Wir stellen am Donnerstag um 18 Uhr im goldenen Dachs eine Kandidatin vor», hiess es in einer Mail, die an die Weinfelder Redaktionen ging. Und dort sass sie dann tatsächlich. Die von vielen politisch engagierten Frauen ersehnte dritte Kandidatin für die Stadtratswahlen. Rund um sie ihr spontan gebildetes Wahlteam mit bekannten Gesichtern wie der ehemaligen SP-Stadträtin Ursi Bieri Senn sowie Claudia Bieg und Dana Wassmann. Drei linke Frauen empfehlen eine bürgerliche Kandidatin. Ist es eine hastig improvisierte Aktion, nur um irgendeine Frau zu portieren, oder ist Elli Schumacher tatsächlich die Wunschkandidatin. Auf die Frage, ob es nach der Suchaktion eine Warteliste an möglichen Kandidatinnen gegeben habe, lachen die Frauen. «Natürlich, es standen zehn Schlange», sagt Claudia Bieg. Doch mit Eli Schumacher hätten sei durchaus eine starke Kandidatin gefunden. Man habe vorab mit der SVP Bezirk Weinfelden das Gespräch gesucht und eine Kandidatur angekündigt. Doch den Namen noch unter Verschluss gehalten. Der Tenor war aber klar: «Man muss bei der SVP Weinfelden zuerst die sogenannte Ochsentour machen. Sich über Schulbehörde und Kommissionen hocharbeiten», sagt Dana Wassmann. Ursi Bieri Senn schüttelt den Kopf. Sie sei auch ohne viel politische Erfahrung gewählt worden. Schumacher selbst verweist auf ihren Alltag als lange alleinerziehende Mutter. Politisches Engagement sei kaum möglich gewesen. Die Ochsentour sei nur ein Weg, aber nicht der einzige. «Für ein vielseitiges Amt braucht es Lebenserfahrung und Weitblick», so Eli Schumacher. Die Arbeit als Lehrerin im Schmelztiegel der Kulturen, mit vielen Teenagern und deren Herausforderungen, sei eine Nähe zur Gesellschaft, wie man sie sonst kaum habe. Ihre Werte seien konservativ, wirtschaftsnah und pragmatisch. Sie gelte als Macherin mit positivem Ruf. «Ich will die Wahl gewinnen und beobachte die geopolitischen Entwicklungen genau. Mein wichtigstes Anliegen ist der Zusammenhalt der Bevölkerung.» «Ein kleines Traumteam hat mir innert weniger Tage geholfen, die Nomination öffentlich zu machen», sagt sie und blickt in die Runde.
Angefragt worden sei sie durch politisch interessierte Weinfelderinnen. Ihr Ziel sei nie gewesen, gegen jemanden anzutreten. Vielmehr gehe es um das Bedürfnis, eine weitere Frau in die Exekutive zu bringen. Und dies im Eiltempo. Schumacher sagt, sie habe nicht einmal die Zeit gehabt, ein Parteibeitrittsgesuch auszufüllen. Schumacher sagte an der Pressekonferent, sie erhoffe sich eine Mitgliedschaft in der SVP und bestenfalls Unterstützung im Wahlkampf. Ob das Vorgehen der Frauen nicht kontraproduktiv war in den vergangenen Wochen, wird gefragt. Zuerst die SVP an den Pranger stellen und dann freundlich anklopfen? Doch es scheint sich keiner einer «Schuld» bewusst zu sein. «Wenn sie mich nicht wollen, trete ich halt parteilos an», so Schumacher. Und sie wollen nicht, teilt die SVP Weinfelden am Montagmorgen mit. Der Vorstand der SVP Weinfelden hat einstimmig beschlossen, mit René Ramseier den zweiten Wahlgang zu den Stadtratswahlen am 18. Januar 2026 zu bestreiten. «48 Stunden vor der Pressekonferenz wurde unserer Partei eine Kandidatur angekündigt, allerdings ohne einen Namen zu nennen», bestätigt der Vorstand das Vorgehen der Frauen. «Vor diesem Hintergrund war ihr Interesse an unserer Partei bis zur Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag unbekannt», so das Statement der SVP. «Dies, obschon eine Parteimitgliedschaft bei der SVP Weinfelden innert wenigen Sekunden niederschwellig einfach über die Homepage vorgenommen werden kann.» Einen Lichtblick gibt es für Schumacher und ihre Politikkarriere bei der SVP: «Die Option für einen Parteibeitritt steht Frau Schumacher unabhängig der Nicht-Nomination selbstverständlich weiterhin offen. Wir ermutigen sie sogar zu diesem Schritt. Wir freuen uns über engagierte weibliche Mitglieder, so kann sie für zukünftige politische Kandidaturen auch berücksichtigt werden.» Für den Vorstand der SVP Weinfelden sei es ausgeschlossen, eine Person für ein so wichtiges Amt wie den Stadtrat zu nominieren, welche einem Grossteil des Vorstands unbekannt sei und bisher noch nie in irgendeinem Zusammenhang zur SVP stand. «Ein solches Vorgehen wäre nicht nur unfair den Mitgliedern gegenüber, sondern auch nicht seriös..» Die Ortspartei wünsche sich Persönlichkeiten, welche sich mit den Werten der SVP identifizieren und nicht nur aufgrund von persönlichen Opportunitäten für unsere Partei antreten möchten. «Das durch einzelne, politisch exponierte Frauen der Sozial Demokratischen Partei (SP) befeuerte Vorpreschen zeigt uns, dass es primär darum geht eine Person aus den eigenen Reihen zu nominieren. Diese Tatsache wird dadurch bestätigt, dass bereits kurz nach der Pressekonferenz erneut Whatsapp Nachrichten von den Initiantinnen in Umlauf gebracht wurden. Darin wurde Frau Schumacher als parteilos angepriesen. Das zeigt, dass es den Initiantinnen nie wirklich ernsthaft darum ging, eine SVP Kandidatur zu unterstützen.»
Von Desirée Müller