René Ramseier und Lukas Madörin kandidieren für den Weinfelder Stadtrat.
27.11.2025 08:00
Superkraft: «Eine Frau sein»
Ein etwas spezielles Interview mit den Weinfelder Stadtratskandidaten
Zwei Kandidaten, zwei Temperamente – und ein Wahlkampf, der nicht nur Plakate, sondern Persönlichkeiten zeigt. René Ramseier entscheidet lieber mit Ruhe als mit Tempo, während Lukas Madörin mit Offenheit und Berggeiss-Mentalität seinen Weg geht.
Wie erklärst du einem Kind, warum du Stadtrat werden möchtest?
René Ramseier: Weil ich helfen möchte, dass Weinfelden auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem man gerne Fussball spielt, ein Glacé isst oder zur Schule geht. Ich möchte dafür sorgen, dass unsere Stadt sicher und schön bleibt und dass alle Kinder weiterhin sagen können: «Weinfelden ist mega cool!»
Lukas Madörin: Weisst du, in der Schweiz gibt es keinen König - weil alle Menschen zusammen der König sind. Und dieser riesige Volks-König braucht ein paar Helfer, die dem Volk zuhören, Ideen sammeln und sagen: «Der König möchte das so und so». So einen Helfer nennt man Stadtrat. Genau das möchte ich werden: ein kleiner Helfer vom grossen König, damit unsere Stadt noch schöner und besser wird - mit tollen Spielplätzen, sicheren Strassen und vielem mehr.
Wenn dein Wahlkampf ein Verkehrsschild wäre, welches würde zu dir passen und warum?
René Ramseier: Eindeutig Tempo 30! Nicht, weil ich langsam wäre, sondern weil ich lieber überlegt entscheide, bevor ich Gas gebe. Beim Wahlkampf wie im Leben: Ein bisschen runter vom Tempo bringt bessere Resultate als Vollgas im Blindflug.
Lukas Madörin: Zu mir würde das Verkehrsschild «Begegnungszone» passen, da ich mit meinem Geschäft mitten in der Stadt und selbst jeweils mittendrin bin und gerne verschiedensten Menschen begegne.
Was sagen andere über dich, das nur teilweise stimmt?
René Ramseier: Manchmal wird gesagt, ich sei sehr streng. Das stimmt ein bisschen. Struktur ist mir wichtig. Aber streng ohne Herz? Nein. Ich bin eher der Typ: klare Worte, warme Haltung. Oder anders gesagt: Ich erstrebe Ordnung, aber immer mit Verständnis.
Lukas Madörin: Dass ich um viertel vor sechs Uhr morgens das Gemüsegestell einräume. Das stimmt nicht ganz, aber oft bin ich doch bereits sehr früh im Laden anzutreffen.
Welches Tier repräsentiert deinen Wahlkampf und was tut es?
René Ramseier: Ein Adler. Nicht, weil ich durch die Luft kreische, sondern weil ich gerne den Überblick behalte, ruhig bleibe und dann «zugreife», wenn es Sinn macht. Der Adler ist kein Hektiker. Er hat Geduld und wenn er landet, landet er präzise.
Lukas Madörin: Das Tier, das am Besten zu mir und so auch zu meinem Wahlkampf passt, ist die «Berggeiss». Ziegen sind Balancekünstlerinnen, neugierig, mutig und gehen Wege, bei denen andere denken «das geht doch nicht». Sie haben Humor und zeigen, dass man auch auf steinigen Wegen gehen kann.
Welche Superkraft wäre im Wahlkampf praktisch?
René Ramseier: Sensationell wäre Gedankenlesen. Nicht aus Neugier, mehr um schneller zu verstehen, was die Leute wirklich brauchen. Ich würde mir viel Kopfschütteln ersparen und könnte noch zielgerichteter Lösungen suchen. Und ganz ehrlich: Manchmal wäre es schön zu wissen, was hinter einem wohlwollenden Nicken wirklich steckt.
Lukas Madörin: Eine Frau zu sein.
Was wäre dein Wahlkampfslogan, wenn er nicht politisch korrekt, sondern brutal ehrlich sein müsste?
René Ramseier: Kurz und knapp: «Lieber Lösungen als Drama!» Wenn es schwierig wird, werde ich ruhiger. Und wenn andere Drama suchen, suche ich den Weg nach vorne. Das ist nicht spektakulär, aber meiner Meinung nach enorm wirksam.
Lukas Madörin: Ehrlicher, als ich auch im Wahlkampf bin, kann ich nicht sein. Ich setze mich mit vollem Herz für Weinfelden ein - volksnah, initiativ, pragmatisch. Ich verstelle mich nicht und so würde ich auch im Stadtrat sein.
Ihr zwei könntet (fast) nicht verschiedener sein. Welche deiner Eigenschaften kam dir den letzten Wochen zu Gute?
René Ramseier: Erstens meine Gelassenheit, denn sie ist Gold wert. Zweitens meine Fähigkeit zuzuhören und zwar nicht nur mit den Ohren, sondern mit Aufmerksamkeit. Drittens meine Struktur, sie bringt Ordnung in den Wahlkampf. Und zuletzt meine Zielorientierung. Sie hält mich auf Kurs, egal wie laut es um mich herum wird. Ich bin kein Mensch für grosse Shows. Ich bin ein Mensch für saubere, bodenständige Arbeit.
Lukas Madörin: Dass ich sehr gerne mit den unterschiedlichsten Menschen zusammen bin und gerne helfe. Dass ich offen und ehrlich bin, auf die Menschen zugehe und man mit jedem Anliegen zu mir kommen und über alles reden kann.
Welches Wahlkampfgeschenk dürfte man dir niemals in die Hand drücken?
René Ramseier: Ein Horror wäre für mich ein Puzzle mit 5000 Teilen. Ich arbeite gerne zielgerichtet und strukturiert, aber solche Geduldsspiele überlasse ich lieber anderen. Ich konzentriere mich lieber auf Dinge, die bewegen und nicht beschäftigen.
Lukas Madörin: Bitte keine Medaille, die auf der einen Seite glänzt, auf der anderen Seite aber sehr viel kaputt macht weil sie politisch wieder falsch verstanden wird, wie zum Beispiel eine Ehringer Holzkuh.
Interview: Desirée Müller