Beatrice Marasco. zVg
16.12.2025 15:18
Weitere Frau kandidiert
Beatrice Marasco stellt sich zur Wahl als Stadträtin
Ohne grosses Tam-Tam sondern mit einem einfachen Facebook-Post auf ihrer privaten Seite kündigte Beatrice Marasco ihre Stadtratswahlkandidatur an. Weinfelden soll nicht nur die Wahl zwischen Mann und Frau haben, sondern auch innerhalb der Geschlechter wählen können. Ihre Mitstreiterin Elisabeth Schumacher freut sich aktuell über Zuspruch aus allen politischen Lagern.
Weinfelden «Wahlsabotage mittels anonymer Nachrichten ist ein politisches und moralisches No go», sagt Beatrice Marasco. Wie mit den beiden Kandidaten Lukas Madörin (EDU) und René Ramseier (SVP) nach dem Wahlergebnis umgegangen worden, sei unsportlich, so die 54-jährige Treuhänderin, welche seit drei Jahren in Weinfelden lebt. Die Parteilose hätte sich 2027 bei den Gesamterneuerungswahlen aufgestellt. Nun kommt die Kandidatur ein Jahr früher als geplant, doch der Wunsch der Bevölkerung nach mehr Auswahl war Anlass genug, schon jetzt zu kandidieren. «Im Stadtparlament habe ich nichts verloren, da ich mich zu keiner Partei bekennen möchte.» Und dies wolle sie auch im Falle einer Wahl bleiben. Als Treuhänderin mit breit gefächertem Kundenstamm sei Polarisierung keine Option. «Ein Parteibekenntnis stösst immer jemanden vor den Kopf. Das erlaube ich mir nicht.» Politisch sei sie trotzdem Interessiert. «Ich besuche Veranstaltungen aller Parteien, weil mich Themen interessieren.» Sie wolle sich aber keine «gedanklichen Leitplanken» setzen und unabhängig bleiben. Beatrice Marasco zeige sich Frauen gegenüber sehr solidarisch, distanziere sich aber von den Unterzeichnerinnen des offenen Briefes an die SVP. «Kafikränzli-Politik topediert alle Frauen, die ordentlich Politik machen wollen. Jetzt ist die Auswahl da. Wer nun am 18. Januar gewählt wird, gewinnt ehrlich.» Sie versuche gesellschaftlich, moralisch und politisch etwas geradezurücken, was in den letzten Wochen aus dem Lot geraten sei. «Ich bin ein kleiner Robin Hood. Gerechtigkeit ist mir das Wichtigste.»
27 Jahre bei der Feuerwehr
Beatrice Marasco bringt Behördenerfahrung mit und präsidiert die Sektion Sulgen des Hauseigentümerverbands Thurgau (HEV). Sie war über zehn Jahre Mitglied der Schulbehörde und der Rechnungsprüfungskommission von Bürglen, wo sie aktiv an Führung und Kontrolle der Finanzen und der Umsetzung von Entscheidungen mitwirkte. «Ich weiss, was Behördenarbeit bedeutet und welchen Einsatz es benötigt. Ich habe meines Erachtens das Rüstzeug und als Selbstständige die Flexibilität.» Sie sähe sich in jedem Ressort. Das Thema Sicherheit sage ihr dabei besonders zu. «Ich war 21 Jahre lang Feuerwehrfrau und wäre sofort auf Platz, wenn etwas passiert.»
Schumacher erhält Feedbacks
Elisabeth Schumacher ist die dritte Kandidatin im Rennen um den Stadtratssitz. «Ich habe seit meiner Kandidatur so viele bestärkende Rückmeldungen erhalten von allen politischen Lagern, von Männern und Frauen.» Die drei anderen Kandidierenden bringen Politik- oder Behördenerfahrung mit. Ein Nachteil für sie? Elisabeth Schumacher betont, dass langjährige Verantwortung in einem Amt auch bequem machen könne und dass es mit ihr eine frische Macherin im Stadtrat brauche. Ihr persönlicher Rucksack werde noch etwas unterschätzt. «Ich habe Erfahrung im Management, als Partnerin in einer Unternehmensberatung, in der Erwachsenenbildung, Finanzberatung und im Rechtsdienst einer Bank.» Heute habe sie als Seklehrerin tagtäglich mit 88 Pubertierenden zu tun, wohl bisher die grösste Herausforderung», sagt sie und lacht.
Die Bevölkerung hat am 18. Januar die Wahl aus einer bunten Mischung aus aktiven Weinfelderinnen und Weinfeldern. Es bleibt spannend.
Von Desirée Müller