Nichts weniger als den Goldstandard
Derzeit rezertifiziert die Stadt Kreuzlingen das Label Energiestadt Gold. Mit dabei ist Andreas Signer, Energieberater der Stadt Kreuzlingen.
Andreas Signer ist Energieberater der Stadt Kreuzlingen. IDSK
Derzeit rezertifiziert die Stadt Kreuzlingen das Label Energiestadt Gold. Mit dabei ist Andreas Signer, Energieberater der Stadt Kreuzlingen.
Derzeit strebt die Stadt Kreuzlingen eine Rezertifizierung des Labels «Energiestadt Gold» an. Wird sie das Reaudit schaffen?
Andreas Signer: Davon gehe ich aus. Kreuzlingen erhielt bereits im Jahr 2022 den Goldstandard und erreichte mit 77 Prozent etwas mehr als gefordert. Mit der Rezertifizierung 2026 können wichtige Meilensteine im Hinblick auf das Netto-Null Ziel 2050 gesetzt werden.
Können Sie ein Beispiel geben?
Der Stadtrat will bis 2033 über 100 Massnahmen zum Schutz des Klimas in Angriff nehmen. Dies Umsetzung geschieht in den Bereichen Energie, Mobilität, Biodiversität und Gewässer. Dies zeigt, wie umfassend die Bestrebungen sind, um Energie zu sparen, die Energieeffizienz zu erhöhen und den Bedarf an erneuerbaren Energien zu fördern. Die konkreten Massnahmen in den einzelnen Bereichen spiegeln sich auch im Zertifizierungsverfahren wider.
Als Energieberater sind Sie Teil des eteams und für die Region Kreuzlingen zuständig. Gleichzeitig arbeiten Sie eng mit der Bauverwaltung zusammen. Wie gestaltet sich Ihr Alltag?
Meine Aufgaben sind äusserst vielseitig und komplex. Ich berate Personen, die beispielsweise ihr Haus sanieren möchten. Das betrifft vor allem die Dämmung der Gebäudehülle sowie den Ersatz der Fenster. Die Installation einer neuen Heizung oder einer Photovoltaikanlage gehören ebenfalls dazu. Daraus ergeben sich entsprechende Massnahmen und auch Fördermöglichkeiten. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich ausschliesslich berate und keinerlei Produkte- oder Firmenempfehlungen abgebe. Was die Bauverwaltung betrifft, geht es vor allem um administrative Aufgaben wie die Prüfung von Baugesuchen, Meldeverfahren von Photovoltaikanlagen, den Ersatz von Feuerungsanlagen und die Prüfung von Förderanfragen.
Sie sind also oft unterwegs?
In der Tat. Denn ich mache auch Stichproben auf Baustellen. Dabei geht es um die Feststellung, ob geplante energetische Massnahmen auch tastsächlich richtig ausgeführt wurden. Diese Arbeit beginnt allerdings bereits mit der Einreichung der Baugesuche. Ebenfalls übernehme ich noch einen kleinen Teil im Umweltbereich was mich wiederum an neue Orte führt.
All dies Massnahmen basieren auf nationalem und kantonalem Recht. Haben Sie sämtliche Paragrafen im Kopf?
Nein, jeden einzelnen Paragrafen habe ich selbstverständlich nicht im Kopf. Die gesetzlichen Grundlagen waren natürlich auch während meines Studiums Thema. Sie helfen, Massnahmen zu planen, durchzusetzen und einzuhalten. Die Teilrevision des Energierichtplans, der aktuell überarbeitet wird, ist ein gutes Beispiel dafür.
Grund für die Teilrevision war die Fortführung des grenzüberschreitenden Wärmeversorgungskonzepts Kreuzlingen-Konstanz.
Ja, aber auch die künftigen Anforderungen vonseiten des Bundes und des Kantons und letztlich die Erfüllung des Labels Energiestadt Gold waren Treiber für die Teilrevision.
Wie geht es jetzt weiter?
Mein Vorgänger hat die Teilrevision des Energierichtplans aufgegleist. Nach der Unterzeichnung des Stadtrats ist er für die kantonale Vorprüfung und öffentlichen Mitwirkung freigegeben.
Wozu ist ein Energierichtplan gut?
Er ist ein wichtiges kommunales Planungsinstrument, um die zukünftige Energieversorgung räumlich mit der Siedlungsentwicklung zu koordinieren. Darin geht es vor allem um den Ausbau von erneuerbarer Energie, die Steigerung der Energieeffizienz und die Senkung von CO₂-Emissionen um das Netto-Null Ziel 2050 erreichen zu können. Mit der Teilrevision erhält die Stadt Kreuzlingen einen auf die übergeordneten Gesetze und Vorschriften angepassten Energierichtplan. Bis voraussichtlich Sommer 2026 wird er vom Stadtrat in Kraft gesetzt.
Ihre Arbeit beinhaltet viel Studium und Administration. Vermissen Sie den handwerklichen Teil?
Ich vermisse es in diesem Sinne nicht, aber die handwerkliche Erfahrung hilft, die Technik zu verstehen. Im Studium konnte ich den handwerklichen Teil mit den Bereichen Energie und Umwelt kombinieren und vertiefen. Dass ich mein Wissen nun als Energiebeauftragter anwenden und erweitern kann, ist grossartig und hilft mir mein Fachwissen weiter zu vertiefen.
IDSK
Andreas Signer ist 1992 geboren und absolvierte eine Lehre als Anlage- und Apparatebauer. Nach der Lehre arbeitete er einige Jahre in diesem Beruf. Berufsbegleitend bildete er sich anschliessend zum Techniker HF Energie und Umwelt an der Schweizerischen Fachschule TEKO in Glattbrugg weiter. Seit April 2025 ist er als Energiebeauftragter bei der Stadt Kreuzlingen tätig.
Vor rund 20 Jahren führte der Kanton Thurgau Energieberatungsstellen flächendeckend im Kanton ein. Die Beratungen sind ein Gemeinschaftsangebot von Kanton und Gemeinden und werden anteilsmässig finanziert. Die Energieberater des Kantons treten gemeinschaftlich als «eteam» auf. Die öffentlich neutralen Energieberatungsstellen haben auf www.eteam-tg.ch weitere Informationen zum Beratungsangebot und zu den verschiedenen Energiethemen parat. Für die Bevölkerung sind die Energieberatungsangebote kostenlos.
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