Hanni Wismer
JOMO statt FOMO – eine Alterserscheinung?
Wie wäre ein Wechsel von FOMO ins JOMO? FOMO (Fear of Missing Out), ist die Angst, etwas zu verpassen. Während ich diese Kolumne schreibe oder eine Radiosendung höre, geht bestimmt ausserhalb meiner Reichweite die Post ab. Es ist schlimm, wenn ich dort nicht dabei bin und stattdessen in der Stube ein Buch lese….., so was Langweiliges! FOMO ist ein emotionaler Zustand, der durch die Nutzung sozialer Medien verstärkt wird. Ständig müssen wir das Handy checken, auf Instagram scrollen oder jede Einladung annehmen, aus Sorge, sonst nicht dazuzugehören.
Diese Zeitdiebe kosten uns Zeit, ohne Nutzen zu bringen. Sie halten uns davon ab, wichtige Aufgaben zu erledigen und führen damit zu Stress. Auch planloses Arbeiten sowie Aufschieberitis zählen dazu. Dauerhafter Stress durch FOMO kann zu innerer Unruhe, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen führen.
Im Google finde ich das Gegenmittel: JOMO (Joy of Missing Out), der gezielte Rückzug aus der digitalen, unaufhörlich blinkenden und piepsenden Welt. Unsere süchtig machende Bildschirmzeit zu reduzieren: Push-Benachrichtigungen abzuschalten und unnötige What’s Apps wegzulassen. So auch ständige Blicke aufs Smartphone, Social-Media-Kanäle oder das endlose Surfen im Internet. Mit dem Gegenteil von FOMO praktizieren wir bewusstes Verpassen und fokussieren uns auf das eigene Wohlbefinden. In den Ferien schaffen es viele, das Natel im Hotelzimmer zu lassen – und merken, wie befreiend das ist. JOMO ist die Freude daran, bewusst nicht überall dabei zu sein. Statt von Nachrichten und Terminen getrieben zu werden, gönnt man sich Momente der Ruhe – sei es, durch eine Einladung abzusagen, Whats-App-Gruppen stumm zu schalten oder Mails nur einmal am Tag zu checken.
Klar ist Weglassen des Smartphones nicht gut möglich, wenn man das Gerät als Arbeitsinstrument braucht. Manchmal tun mir unsere berufstätigen Menschen in dieser Beziehung leid. Wir ältere Menschen haben gut reden, wir sind ohne Natel aufgewachsen! Welch eine Freiheit…. Aber auch ich habe mich schon über mich selbst geärgert, indem ich eine halbe Stunde verplämpere mit Nachrichten lesen, die mich nicht interessieren oder Kochrezepte lese, die ich nie nachkochen werde. Medienfasten kann eine bewusste Zeit ohne Natel sein. Anfangs ist es wie ein Entzug. Doch nachher folgt das gute Gefühl, enorm viel Zeit und Ruhe gewonnen zu haben. Ich wünsche vor allem unserer Jugend und uns allen mehr JOMO statt FOMO. Schöne Nachsommertage und bis zum nächsten Mal!
Herzlichst, eure Johanna




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