Sie gestalteten die Ausstellung (vl.) Julian Fitze, Praktikantin Lea Eckes und Christian Hunziker. Kurt Peter
02.10.2025 05:00
Als das Mammut heimisch war
Eiszeit im Seemuseum - Die neue Sonderausstellung zeigt den Einfluss der Gletscher auf die Region
Die letzte grosse Eiszeit hat Einfluss auf das Landschaftsbild: Der Bodensee ist entstanden, auf den ehemaligen Moränen verlaufen Strassen und befinden sich Häuser auch in Kreuzlingen. Das Seemuseum eröffnet heute, 2. Oktober, die Sonderausstellung zum Thema.
Kreuzlingen «Eisschicht statt Seesicht»: Das war zuletzt vor 24'000 Jahren im Thurgau Tatsache. Die Ausstellung «Eiszeit» wurde vom Naturmuseum Olten entwickelt und ist ab 2. Oktober bis 19. April 2026 im Seemuseum zu sehen. Ergänzt durch Informationen und Leihgaben, welche einen regionalen Bezug nehmen. «Es war wichtig, die Oltener Ausstellung auf den Kanton Thurgau anzupassen», so Museumsleiter Christian Huniziker anlässlich der Medienpräsentation. So macht eine Karte beispielsweise deutlich, dass die Kreuzlinger Hauptstrasse sowie die Konstanzer Altstadt auf einer eiszeitlichen Seitenmoräne liegen. «Eiszeitspuren entdecken», heisst das im grossen Gewölbekeller des Seemuseums.
Der See ist ein Zeuge
«Wir haben die Fühler bereits im Sommer ausgestreckt, um die bestehende Ausstellung um regionale Aspekte zu ergänzen», erklärt Julian Fitze, Bildung und Vermittlung. Daraus entstand die Themenspur «Ice Age Thurgau», die sowohl die Entstehung des Bodensees vor rund 19'000 Jahren erklärt als auch regionale Zeugen der letzten Eiszeit in den Fokus rückt. Durch die Kraft des Gletschers sind beispielsweise zahlreiche Findlinge in der Region verblieben, Gestein, das sonst nur in den Alpen zu finden ist. «Der See selbst ist ein eindrücklicher Zeuge dieser gestaltenden Kraft der Eisströme», sagt Christian Hunziker. Die Ausstellung gibt faszinierende Einblicke in diese Welt und geht den bis heute sichtbaren Spuren nach.
Für die kleinen Gäste machen eiszeitliche Bewohner wie Mammut - eine Statue zeigt eindrücklich die Dimensionen auf - Polarfuchs, Rentier, Leopard oder Vielfrass, den Besuch zu einem besonderen Erlebnis. In der Eiszeithöhle können Kreidezeichnungen entworfen, im Rentierzelt den Klängen einer eiszeitlichen Flöte gelauscht werden. «Wichtig war uns von Anfang an die Kooperation mit Museen des Kantons und der Region», sagen die Verantwortlichen. So sind auch Leihgaben aus dem Rosenegg zu sehen, nämlich Ausgrabungsgegenstände des Absolventen des Lehrerseminars Kreuzlingen, Emil Bächler.
Es gibt für alle etwas
«Wir müssen uns die Bodensee-Landschaft nach der grossen Eiszeit so vorstellen wie die heutige Arktis mit ihrer Tundra und ihre Flora», sagt Christian Hunziker. Die ältesten Funde, welche die menschliche Existenz im Thurgau nachweisen, stammen von der Insel Werd und sind rund 13'000 Jahre alt. So genannte Wildbeutergruppen waren in dieser Zeit in der Region unterwegs. In der Ausstellung sind auch Stoss- und Backenzähne von einem Mammut zu sehen, gefunden in Winterthur.
Die Sonderausstellung wird von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Auch dabei spielen Kooperationen eine wichtige Rolle. Erstmals geht das Seemuseum mit einer Veranstaltung ins Gottlieber Literaturhaus Bodman: «Wasser, Zeit und Zukunft» heisst die Lesung aus dem gleichnamigen isländischen Buch von Snaer Magnason und eine Gesprächsrunde mit dem Thurgauer Glaziologen Andreas Linsbauer. Der Abend findet am 18. März 2026 statt.
Zwei Familensonntage unter dem Motto «Gletscher, Eis und Rentierjäger» bieten steinzeitliche Mitmachaktionen wie Speerwerfen, Feuerschlangen im Eiszeit-Zelt mit dem Archäologen und Geschichtsvermittler Klaus Haller. Eine weitere Kooperation gibt es mit dem Filmforum Kreuzlingen-Konstanz, die beiden Filmabende finden im Kult-X statt.
An der heutigen Vernissage um 19 Uhr, gibt Pia Geiger, stellvertretende Museumsleiterin Naturmuseum Olten, eine Einführung. Sie schlägt einen Bogen von der Eiszeit zur heutigen «Heisszeit». Am Eröffnungssamstag, 4. Oktober, 14 Uhr, führt Kulturvermittler Julian Fitze durch die Sonderausstellung. Weitere Informationen unter www.seemuseum.ch.
Von Kurt Peter