Thomas Knupp, Leiter Finanzen, präsentierte ein Budget 2027 mit einem Defizit. ⋌Kurt Peter
23.09.2026 07:54
«Eine solide finanzielle Lage»
Gemeinderat diskutiert und beschliesst Budget 2027 - Investitionen in Grossprojekte laufen an
Bei einem gleichbleibenden Steuerfuss von 64 Prozent sieht das Budget 2027 ein Defizit von 1,3 Millionen Franken vor. Die bewilligten Projekte machen im kommenden Jahr Investitionen von 26 Millionen nötig.
Kreuzlingen «Wir haben deutlich weniger Defizit budgetiert als in den Vorjahren», erklärte Stadtpräsident Thomas Niederberger anlässlich der Präsentation. 1,3 Millionen Franken Verlust sieht das Budget 2027 vor, das Budget 2026 hatte ein Defizit von 2,762 Franken vorgesehen. «Wobei wir nach heutigem Stand einen kleinen Gewinn von 100'000 Franken erwarten und daher wohl eine ausgeglichene Rechnung präsentieren können».
Steuereinnahmen steigend
In verschiedenen Bereichen sind Mehraufwendungen budgetiert. Dabei ist der Personalaufwand mit netto 645 Stellenprozenten und einem gegenüber 2026 um 960'000 Franken höheren Betrag der grösste Posten. Es handle sich dabei um Stellenaufstockung unter anderem im Präsidium, soziale Dienste, den Bädern und der Bauverwaltung. Der Teuerungsausgleich wird im Budget mit 0,6 Prozent eingestellt. «Die demografische Entwicklung lässt auch die Kosten beim Spitexverein um 400'000 Franken steigen und höher fallen beispielsweise die Honorare Berater und Gutachter aus».
Erfreulich entwickeln sich die Steuereinnahmen. Das gesamte Steueraufkommen wird mit 43,5 Millionen Franken erwartet, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 5,8 Prozent. Dabei entfallen in Kreuzlingen traditionell deutlich höhere Steuereinnahmen auf die natürlichen Personen. «Wir erwarten fast 40 Millionen Franken, das zeigt, dass es den Kreuzlingerinnen und Kreuzlingern finanziell gut geht», kommentiert Thomas Knupp, Leiter Finanzen. Auf die Ertrags- und Kapitalsteuern juristischer Personen entfallen 4,6 Millionen Franken. Eine Marktwertanpassung Liegenschaften Finanzvermögen wird mit 1,05 Millionen Franken angegeben. Rekordverdächtig: Im Bad Egelsee wurden 450'000 Franken mehr an Eintritten eingenommen als budgetiert.
Nachhaltige Investitionen
Mit den durch Volksabstimmungen bewilligten Projekten stehen im kommenden Jahr auch Investitionen von 26 Millionen Franken an. 5,2 Millionen sind für die Sanierung der Verwaltungsliegenschaften vorgesehen, 5 Millionen Franken für Gemeinde- und Kantonsstrassen. In das Kulturzentrum werden 4,3 Millionen Franken investiert, in den Agglomerationsverkehr 2,5 Millionen und in die Bodensee-Arena 2 Millionen Franken. Die Sanierung Fussballplatz 2 im Klein Venedig wird mit 1,3 Millionen Franken beziffert. Thomas Niederberger bezeichnet dies als «Investitionen mit nachhaltigem Nutzen».
Für die Investitionen gebe es gute finanzielle Voraussetzungen, war sich Thomas Knupp sicher. Sie würden zwar zu einer Verschuldung führen, «aus der wir aus eigener Kraft aber auch wieder herauskommen». Auch wenn in diesem Budget keine Steuerfusserhöhung eingeplant sei, müsse diese Diskussion mit dem Wegfall der Liegenschaftensteuern geführt werden. «Ab 2029 fallen auf einen Schlag etwa 1,6 Millionen Franken Steuern weg, das entspricht drei Steuerprozenten», machte Thomas Niederberger klar. Auch die demografische Entwicklung müsse beobachtet werden, die Kosten einer immer älter werdenden Gesellschaft würden auch die städtischen Finanzen belasten.
Viele Unsicherheiten
Kreuzlingen stehe vor wichtigen Entwicklungsschritten, das Wachstum der Stadt und die Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels erforderten gezielte Investitionen und eine nachhaltige Weiterentwicklung der öffentlichen Infrastruktur. Zudem gebe es unbeeinflussbare Unsicherheiten globaler Natur wie Sicherheits- und Versorgungslage, die Zins- und Inflationsentwicklung, steigende Erwartungen und Planungen sowie Planungsunsicherheiten. «Der Stadtrat wird die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin aufmerksam verfolgen und die Finanzplanung laufend anpassen», so der Stadtpräsident. Über das Budget 2027 wird der Gemeinderat am Donnerstag, 1. Oktober 19 Uhr, diskutieren und abstimmen.
Von Kurt Peter