1000 zusätzliche Bäume für Kreuzlingen, 500 davon auf privaten Grundstücken, Wohn- und Gewerbearealen, möchte eine Motion aus dem Gemeinderat. ⋌Stock Adobe
16.09.2026 07:52
«Kreuzlingen schenkt einen Baum»
Der Gemeinderat geht in Sachen Klimaschutz in die Offensive - Aufforstungen sollen Schatten bieten und Lebensräume schaffen
Bis Ende 2035 sollen in Kreuzlingen 1000 Bäume zusätzlich gepflanzt werden. Dies verlangt eine fraktionsübergreifende Motion des Gemeinderates. Dafür wollen die Motionäre der Stadt 2,4 Millionen Franken zur Verfügung stellen.
Kreuzlingen Eine von allen fünf Gemeinderatsfraktionen eingereichte Motion hat das Ziel, den Baumbestand im Stadtgebiet bis Ende 2035 um netto 1000 Bäume zu erhöhen. Die Motion hält fest, dass «Ersatzpflanzungen nach Fällungen oder Abgängen nicht an dieses Ziel angerechnet werden». Der Stadtrat wird beauftragt, dem Gemeinderat ein Umsetzungskonzept für ein städtisches Programm «1000 zusätzliche Bäume für Kreuzlingen» bis 2035 vorzulegen und dessen Umsetzung so schnell wie möglich zu veranlassen.
Standortgerecht Bäume pflanzen
«Mit dem Zeitraum 2027 bis 2035 erhält das ambitionierte Ziel von 1000 zusätzlichen Bäumen einen klar definierten, verbindlichen und zugleich realistischen Rahmen. Er schafft Planungssicherheit und macht den Fortschritt messbar», erklärt Mitunterzeichner Christian Brändli (FDP). Bei einem Programmstart im kommenden Jahr entspreche dies durchschnittlich 110 Bäumen jährlich. Das grosse Potenzial sehen die Motionäre auf privaten Grundstücken, in Wohnquartieren und Firmenarealen, aber auch im öffentlichen Raum und entlang geeigneter Strassen und Plätze. Als Orientierungsgrösse sollen 500 Bäume auf öffentlichen, beziehungsweise städtischen Flächen, und 500 auf privaten Grundstücken, Wohn- und Gewerbearealen oder geeigneten Landwirtschaftsflächen realisiert werden. Zu bevorzugen seien standortgerechte, klimaresiliente und ökologisch wertvolle Baumarten, heisst es in der Motion. «Eine fachliche Begleitung soll gewährleisten, dass die passenden Bäume ausgesucht werden und eine gesunde Vielfalt entsteht», hält Christian Brändli fest. Zudem regelt das Konzept Wurzelraum, Wasserversorgung, fachgerechte Pflege, den Ersatz von Ausfällen und die langfristigen Unterhaltskosten. Neue Baumstandorte sind, wo sinnvoll und technisch möglich, mit Entsiegelungsmassnahmen und dem Schwammstadt-Prinzip zu verbinden. «Regenwasser soll möglichst vor Ort zurückgehalten und für Vegetation nutzbar gemacht werden», heisst es in der Motion.
Langfristige Investitionen
Motiviert werden sollen die Kreuzlinger Einwohnerinnen und Einwohner, Unternehmen, Institutionen und Vereine durch den Bezug von kostenlosen oder vergünstigten Bäumen. Dafür müssen sie einen geeigneten Pflanzort bereitstellen und die langfristige Pflege übernehmen. Laut zu erstellendem Konzept legt der Stadtrat einen Finanzierungsplan vor. Für die Jahre 2027 bis 2035 ist als Planungsgrösse ein Kostenrahmen von höchstens 2,4 Millionen Franken und damit von 267'000 Franken jährlich vorzusehen. «Wir sehen diese Mittel nicht als kurzfristige Ausgabe, sondern als langfristige Investition in Hitzeminderung, Biodiversität, Lebensqualität und die Attraktivität unserer Stadt für kommende Generationen», hält Christian Brändli fest. Dass Vertreter sämtlicher Fraktionen im Gemeinderat die Motion unterschrieben hätten, sei ein starkes Zeichen dafür, dass der Nutzen dieser Investition erkannt werde.
«Der festgelegte Finanzrahmen ist verbindlich und strikt einzuhalten», so Christian Brändli. Die Motionäre gingen davon aus, dass bei einer sorgfältigen Planung die vorgesehenen Mittel für die Umsetzung ausreichten. Die Motion verlangt zudem, dass mögliche Beiträge von Bund, Kanton und weiteren Förderstellen abzuklären und konsequent auszuschöpfen sind. «Sollten am Ende des vorgesehenen Zeitraums noch Mittel vorhanden sein, könnte die Aktion entsprechend verlängert und damit die erfolgreiche Begrünung Kreuzlingens weitergeführt werden».
Gemeinsames Zukunftsobjekt
Kreuzlingen sei als wachsende Stadt zunehmend den Folgen stärkerer Hitzebelastung, längerer Trockenphasen, häufigerer und heftigerer Starkregenereignissen und dem Verlust ökologisch wertvoller Lebensräume ausgesetzt. «Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Baumbestand ist eine wirksame, langfristige Antwort auf diese Herausforderung», schreiben die Motionäre. Bäume verbesserten das Stadtklima, indem sie Schatten spendeten, Strassen, Plätze sowie Gebäudeumfelder kühlten. Bäume könnten Regenwasser zurückhalten, die Luftqualität verbessern und zugleich Lebensräume für Vögel, Säugetiere, Insekten und viele weitere Tierarten schaffen.
Die Massnahme könne unter dem Motto «Kreuzlingen schenkt einen Baum» stehen. Die Stadt habe bereits heute viel Grün, mit den 1000 zusätzlichen Bäumen wolle die Motion nun konsequent und mit einem klaren, messbaren Ziel weitergehen. «Die grosse Unterstützung aus der Politik und hoffentlich auch aus der Bevölkerung gibt uns Zuversicht, dass daraus ein gemeinsames Zukunftsprojekt entsteht, auf das Kreuzlingen stolz sein kann», erklärt Gemeinderat Christian Brändli abschliessend.
Von Kurt Peter