Stadtrat Daniel Moos: «Die Stadt hilft wo sie kann, aber viele Umstände und Bedingungen sind schwieriger geworden». ⋌⋌Kurt Peter
22.10.2026 04:00
Kultur unter Druck: Freiwillige fehlen
Die erfolglose Nachfolgerereglung ist nach Meinung von Stadtrat Daniel Moos die Hauptursache für das Ende von KIK, vom Z88, der Vollmondbar und von der JazzMeilen-Pause. Die Rekrutierung von Freiwilligen ist schwierig geworden, auch weil mehr Bürokratie und verschärfte Vorgaben die Vereine zusehends belasten.
Kreuzlingen «Es ist keine erfreuliche Situation», nimmt der zuständige Stadtrat Daniel Moos zu den Problemen in der Szene Stellung. Dass das Festival Kabarett in Kreuzlingen (KIK) dieses Jahr zum letzten Mal stattfindet, ist für ihn besonders schade. «Das Festival hatte nationale Strahlkraft», gibt er zu bedenken, «hat über Jahrzehnte Menschen aus der ganzen Region begeistert». Das Problem sei offensichtlich, nicht nur beim KIK: «Die Vereine müssen mehr auf ihre Nachfolgeregelung achten», sagt er. Es müssten Strukturen geschaffen werden, die es auch jüngeren Interessierten erlaubten, Gestaltung und Verantwortung zu übernehmen. Es werde seit Jahren immer schwieriger, Freiwillige zu rekrutieren. Daniel Moos sieht sinkendes Interesse und Engagement einerseits, aber auch ein deutlich verändertes Konsumverhalten andererseits. «Heute wollen sich die meisten Menschen unterhalten lassen, Verantwortung und Arbeit übernehmen ist weniger gefragt».
Stadt setzt auf Akteure
Freiwilligenarbeit müsse aber auch Spass machen und spannend sein. «Heute sind die Vereine mit mehr Bürokratie und deutlich mehr regolatorischen Vorgaben konfrontiert, das macht Veranstaltungen im Lokal oder Open Air nicht einfacher». Dabei sei wichtig zu wissen, dass «die Stadt nur umsetzt, was die Politik vorgibt». Das treffe vor allem den Bereich Sicherheit, Massnahmen, die Kosten verursachten wie Absperrungen bei Grossveranstaltungen. «Das macht es auch für die Stadt nicht einfacher», sagt Daniel Moos.
Dass nun auch das Z88 seine Türen schliesse, sei ein grosser Verlust. Die ganze Situation sei bedenklich, ein vielfältiges Kulturangebot dem Stadtrat sehr wichtig. Wie wichtig zeige die finanzielle Unterstützung, «am Geld liegt es sicher nicht, wenn Vereine ihre Arbeit aufgeben. Im Kulturkonzept setze die Stadt auf die Akteure, auf die Veranstaltenden, denn «wir machen keine Kultur, wir unterstützen sie, wir können Dienstleistungen erbringen». Mit dem KIK und dem Z88 seien zwei langjährige Institutionen betroffen, und doch gebe es auch neue Akteure und Vereine, in denen eine Nachfolgerereglung bestens funktioniert habe. Daniel Moos nennt das See-Burgtheater unter neuer Führung und das Kulturhaus Apollo als neuen, attraktiven Veranstaltungsort.
Zusammen Lösungen finden
Der Stadtrat mache sich Gedanken, wie die Entwicklung zu stoppen sei. Daniel Moos verwies aber auch auf Beratungsangebote für Vereine im Kanton. So unterstütze benevol thurgau mit Vermittlung, Beratung, Vernetzung und Informationen Organisationen und Vereine. «Wir müssen zusammen mit den Vereinen der Entwicklung entgegensteuern, wir haben noch ein gutes und breites kulturelles Angebot, aber wir müssen darauf achten, dass der Stadt nicht noch weitere Akteure verloren gehen».
Von Kurt Peter