Rehan Neziri, Julian Schüler, Ruth Frenk, Thomas Bachofner und Gunnar Brendler (vl). präsentierten das diesjährige Kreuzlinger Programm zur Woche der Religionen. ⋌Kurt Peter
24.10.2026 04:00
«Wir dürfen nicht wegschauen»
Runder Tisch der Religionen Kreuzlingen nimmt sich dem aktuellen Thema «Rassismus» an
Der Runde Tisch der Religionen Kreuzlingen nimmt sich dem Thema «Rassismus» an. An Workshop und Podiumsdiskussion geht es um Antisemitismus, in der Kirche Kurzrickenbach wird die Grundlagenstudie «Antimuslimischer Rassismus in der Schweiz» erläutert.
Kreuzlingen Als Gastgeber begrüsste Julian Schüler von der katholischen Kirchgemeinde zum Mediengespräch des Runden Tischs der Religionen Kreuzlingen. Im Rahmen der landesweiten Woche der Religionen beteiligt sich auch die Kreuzlinger Organisation. «Bei Rassismus können wir nicht wegschauen», erklärte Thomas Bachofner, Leiter der Erwachsenenbildung Tecum. Tecum beteilige sich erstmals aktiv in Kreuzlingen und zeichne für die beiden Veranstaltungen vom 9. November verantwortlich, so der Leiter.
Hochkarätiges Podium
Anlässlich des Gedenktages an die Reichspogromnacht gibt es am Montag, 9. November, 14 Uhr, im Ulrichshaus einen praxisorientierten Workshop. «Antisemitismus erkennen, Verantwortung übernehmen» ist für Verantwortungsträger aus Verwaltung, Politik, Schule und Kirche und steht unter der Leitung von Ahmad Mansour. Im Zentrum stehen konkrete Handlungsmöglichkeiten: präventive Massnahmen, professionelles Reagieren bei antisemitischen Vorfällen sowie das Anstossen institutioneller Prozesse für mehr Handlungssicherheit. Ahmed Mansour ist israelisch-deutscher Psychologe und Autor, 1976 in Israel geboren und in einer nichtpraktizierenden muslimischen Familie aufgewachsen. Ruth Frenk von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Konstanz bezeichnet Ahmend Mansour als «mutige Person, der seine Meinung immer geradeaus sagt und daher auch Personenschutz braucht». Für die Teilnahme am Workshop ist eine Anmeldung unter tecum@kartause.ch notwendig.
Einlass nur nach Anmeldung bei Tecum und aus Sicherheitsgründen nur mit Personalausweis gibt es zur Podiumsdiskussion am Montag, 9. November, 19 Uhr im Ulrichshaus. «Ein hochkarätig besetztes Podium», so Ruth Frenk, an dem ausser Ahmad Mansour auch Christian Rutishauser, Jesuit und Judaist, Jonathan Kreutner, Generalsekretär Schweizer Israelitischer Gemeindebund, und Maya Blättel, Lehrbeauftragte für Modernhebräisch teilnehmen. Antisemitismus begegnet in politischen Debatten, in sozialen Medien, auf Pausenplätzen und auch im alltäglichen Gespräch, oft subtil, manchmal offen. Die Podiumsdiskussion fragt nach aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus und nach der Verantwortung von Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften.
Im guten Geist unterwegs
In der Kirche Kurzrickenbach werden die Ergebnisse der neuen Grundlagenstudie «Antimuslimischer Rassismus in der Schweiz» vorgestellt. Imam Rehan Neziri lädt im Namen des Runden Tisches der Religionen am Samstag, 13. November, 19 Uhr, dazu ein. Das Referat wird von Asmaa Dehbi, Erziehungswissenschaftlerin, Doktorandin und wissenschaftliche Assistentin am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg und in der Fachkommission für Migrations- und Rassismusfragen der Stadt Bern. «Natürlich gibt es im Anschluss die Möglichkeit zum Austausch», so Rehan Neziri.
Der Runde Tisch der Religionen Kreuzlingen bestehe seit 2009, blickte Pfarrer Gunnar Brendler als Leiter der Gruppe zurück, seit gut 18 Monaten sei mit Ruth Frenk nun auch eine Person jüdischen Glaubens mit dabei. «Wir wollen und können den Dialog untereinander pflegen, sind bei der Woche der Religionen von Anfang an dabei und», das betont Gunner Brendler besonders, «wir sind im guten Geist unterwegs».
Von Kurt Peter