Jonas Hasler macht sich auf zu den Olympischen Spielen.
05.02.2026 09:48
Von Ottoberg ins Olympia-Dorf
Vom Thurgauer Ottoberg über Laax bis an die Olympischen Winterspiele – Snowboard-Talent Jonas Hasler tritt in drei Disziplinen an
Jonas Hasler macht kein grosses Theater daraus. Dabei steht der 19-jährige Snowboarder aus Ottoberger kurz vor seinem Start an den Olympischen Winterspielen 2026. Während andere das Ereignis aufblasen, bleibt er bei dem, was er kennt: fahren, authentisch sein und den Kopf nicht verrückt machen.
Snowboard Jonas Hasler wächst in Ottoberg bei Weinfelden auf. Eigentlich hatte die Familie ganz andere Pläne: eine längere Europareise mit dem Camper, unterwegs sein, immer der Sonne und dem Meer nach. Jonas' Eltern waren selbst professionell im Snowboard-Sport aktiv und wollten dem Thema, als Jonas und seine Schwester zur Welt kamen, bewusst weniger Gewicht geben. Doch die Realität holte sie ein. Die Kinder hatten solch eine Freude am Snowboarden, zuvielEnergie, zuviel Talent, um es einfach als Hobby laufen zu lassen. Also änderte sich der Plan. Statt einem Camper kaufte die Familie eine kleine Einzimmerwohnung in Laax. Nicht als Luxuslösung, sondern als pragmatische Entscheidung.HeuteistLaaxderHauptlebenspunkt der Thurgauer Familie und die Basis für Jonas’ sportliche Entwicklung.Vonhierausführtesein Weg Schritt für Schritt auf internationales Niveau. Heute gehört Jonas weltweit zu den wenigen Snowboardern, die Big Air, Slopestyle und Halfpipe gleichermassen fahren. Und das auf höchstem Level. Drei Disziplinen: kein Grund, sich zu entscheiden Jonas istinderHalfpipe gross geworden, Slopestyle kam früh dazu, Big Air später. Für ihn war nie klar, warum man sich auf eine Disziplin festlegen sollte. Heute behandelt er alle drei gleich. «Jede Disziplin fordert etwas anderes. Technisch, körperlich, mental. Genau das reizt mich. Auch wenn es für den Körper und Geist eine hohe Belastung ist», so der 19-Jährige. Damit dieses Programm aufgeht, braucht es Struktur,Planung und ein gutes Gefühl für den eigenen Körper. Energie richtig einteilen, Spannung aufbauen, wieder loslassen. Sein ständigerBewegungsdrang hilft ihmdabei. StillstandistfürJonas keine Option – weder auf dem Snowboard noch im Kopf.
Lieber Draussen statt im Club
Am wenigsten wie ein Profisportler fühlt sich Jonas, wenn er mit seinem besten Kollegen Andri unterwegs ist. Dann geht es nicht um Training, Scores oder Resultate. Einfach Seich machen, draussen sein, unterwegs sein. Ganz ohne Bewegung geht es selten. «Irgendwas Aktives gehört fast immer dazu. Biken, an den See gehen, irgendwas machen.» Clubs und lange Nächte reizen ihn kaum. Lieber früh aufstehen ohne Kopfweh. Zurückdenken liegt ihm nicht, er schaut nach vorne. Diese Haltung zieht sich auch durch seinen Umgang mit Olympia. Für viele ist es das grösste Ereignis der Karriere, für Jonas vor allem eines: eine Chance, Snowboard zu fahren – einfach auf einer sehr grossen Bühne. Snowboarden im Kopf Zweifel kennt ertrotz der ungebremsten Leidenschaft für den Sport. «Diese kurzen Momente, in denen ich morgens lieber nicht ins Training möchte und innerlich hoffe, die Zeit läuft schnell ab. Solche Gedanken gehören dazu.» Grosse Events wie Olympia machen vieles wieder gut – auch wenn er den Rummel nichtsucht.Wenneseinmalgarnicht läuft, versucht Jonas, Fehler nicht wegzudrücken. «Fehler passieren. Also anschauen, analysieren, daraus lernen und dann bewusst loslassen.» Der junge Sportler ist für sein Alter sehr selbstreflektiert, weiss was ihm gut tut und was nicht. Mentale Arbeit gehört für ihn selbstverständlich dazu: «Visualisieren, Atemübungen, Nervosität kontrollieren. Situationen, die gut funktioniert haben, ruf ich mir im Kopf wieder hervor. Das gibt Sicherheit und lässt mich die Freude nochmals spüren.»
Alles auf den Sport setzen
Einen konkreten Plan B verfolgt Jonasaktuellnicht.ErbesuchtedenTalentcampus inKreuzlingen und startetemitdemSport-KV, legtedieAusbildung aber auf Eis. «Ins Klassenzimmer sitzen kann ich auch später noch.» Sein Fokus liegt voll auf dem Snowboarden. Parallel eine Ausbildung zu machen, sei nicht realistisch. Ein anderer Traum wäre Helikopterpilot – aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt zählt, was ihn hierhergebracht hat: Freude am Fahren, Bewegung, Authentizität. Social Media gehört dazu, ist Werkzeug und bringt ihm Sponsoren und somit seinen Lohn - sei aber nicht der Kern. Olympia bedeutet für Jonas vor allem Vorfreude. Das Dorf, die Begegnungen, die Energie. Der Wettkampf findet in Livigno statt, alles ist nah, alles greifbar. Fürihn ist klar: nichts aufblasen. Gleiche Tricks, gleiche Jumps, gleiches Snowboarden wie immer.
Von Desirée Müller