Architektenteam: Tom Knopf (l.), Frederika Kluse und Mike Rehrmann. mul
05.03.2026 15:56
Weiterbauen statt neu beginnen
Bestand mit Zukunft: «Pauli und Paulina» überzeugt die Jury. Basler Architekturbüro entwirft die Erweiterung des Paul Reinhart Schulzentrums
Die Primarschulgemeinde Weinfelden hat die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs für den Umbau und die Erweiterung des Primarschulzentrums Paul Reinhart vorgestellt. Vertreter der Schulbehörde, Fachjuroren sowie weitere am Verfahren Beteiligte nutzten die Gelegenheit, sämtliche 27 eingereichten Projekte zu begutachten – im Zentrum stand dabei das Siegerprojekt.
Weinfelden Dicht stehen die Gäste um die weissen Architekturmodelle, beugen sich nach vorne, die Nasen fast über den Miniaturdächern. Finger zeigen auf Pausenflächen, Innenhöfe, Anbauten. Es wird geflüstert, diskutiert, verglichen. Wer genau hinschaut, erkennt schnell: Hier geht es nicht nur um ein Gebäude. Hier geht es um die Zukunft der Schule.
Vertreter der Schulbehörde, Mitglieder der Jury und weitere Beteiligte haben die 27 eingereichten Projekte für den Umbau und die Erweiterung des Primarschulzentrums Paul Reinhart in Augenschein genommen. Im Mittelpunkt steht das Siegerprojekt – «Pauli und Paulina».
Alma Maki überzeugt mit klarem Weiterdenken
Das Rennen gemacht hat das Basler Architekturbüro Alma Maki. Ihr Projekt habe sich «in der Summe der Vorteile herauskristallisiert», sagt Schulpräsident Thomas Wieland. Von Anfang an klar sei der Entscheid jedoch nicht gewesen. An den ersten beiden Jurytagen sei «brutal rausgemistet» worden. Die Bandbreite der Ansätze war gross: östlich oder westlich anbauen, freistehend neu bauen oder stark mit dem Bestand arbeiten. Mehrere Teams versuchten, die Erweiterung Richtung Kreisel zu orientieren – ein städtebaulich interessanter Gedanke. Doch Themen wie Lärm, beschränkter Platz und die schwierige Anbindung an den bestehenden Sockelbau hätten Fragen aufgeworfen.
Am Ende blieben sieben Projekte in der engeren Wahl. «Das Niveau war hoch», so Wieland. Alma Maki setzen konsequent auf den Bestand. Rund 20 Prozent der bestehenden Flächen können neu organisiert und besser genutzt werden. Neubauten entstehen nur dort, wo es funktional wirklich Sinn macht. Architektin Frederika Kluse, die auch in der Lehre tätig ist, spricht von einer Haltung: «Uns interessiert, wie sich bestehende Gebäude weiterbauen lassen. Wir setzen uns dafür ein, nicht einfach alles neu zu bauen.» Gebäude seien bereits gebundene Energie und Material – dieses Potenzial wolle man weiterverwenden.
Ihr Kollege Mike Rehrmann bringt als gelernter Schreiner handwerkliches Verständnis mit. Projektleiter Tom Knopf ergänzt das Team. Die unentgeldlichen Stunden, welche sie für den Projektwettbewerb eingesetzt haben, dürfe man eigentlich gar nicht zählen. Fast vier Monate beschäftigten sie sich intensiv mit dem Projekt. Waren diverse Male vor Ort um die Begebenheiten zu erforschen. Umbauten seien planerisch anspruchsvoller als Neubauten, erklärt Kluse. «Man muss sehr genau hinschauen, verstehen, was da ist.» Der Vorteil: Viele Fragen würden früh geklärt, Überraschungen auf der Baustelle reduziert.
Schule unter Druck
Der Handlungsbedarf ist klar. Die Schulanlage Paul Reinhart ist bald 60 Jahre alt und wurde ursprünglich für zwölf Regelklassen gebaut. Heute sind zusätzlich ein Kindergarten sowie zwei Sonderklassen untergebracht. Künftig soll die Anlage für 18 Regelklassen ausgelegt sein.
Neben neuen Klassenzimmern entstehen Gruppen- und Werkräume, Arbeits- und Vorbereitungsräume für Lehrpersonen sowie erweiterte Tagesstrukturen. Vorgesehen ist zudem eine weitere Kindergartenabteilung. Ein zukunftsgerichtetes Element bildet der geplante MakerSpace – ein Raum für forschendes, kreatives Lernen. «Wir wollen Lernorte schaffen, die mehr ermöglichen als klassischen Frontalunterricht», sagt Wieland.
Von Desirée Müller